Die schwedische Band Movits! mischte mit einem überfallartigen Auftritt das Publikum im Schlachthof auf

Eine Party am Rand des Vulkans

Ab geht die Post: Rapper Johan Rensfeldt und Posaunist David Fraenckel. Foto: Schachtschneider

Kassel. Jetzt bloß keinen Fehler machen: Wenn der Mann am Mischpult nun den Sound versaut, wird ihn die Menge skalpieren (oder wenigstens ein sehr ernstes Wort mit ihm reden).

Der schwedischen Hip-Hop-Swing-Band Movits! ist es am Freitagabend gelungen, 100 Gäste in kurzer Zeit zum Löwenrudel zu machen. Wer sagt also noch, frische und beachtenswerte Kunst käme allein aus New York (oder schlimmer noch: Berlin)?

Schon der Anfang: In schwarzen Anzügen und Turnschuhen gekleidet, stürmt die Band den Schlachthof wie einen illegalen Nachtclub, wirbelt die Instrumente durch die Luft und stampft mit den Füßen, als müssten alle im Morgengrauen jahrelange Haftstrafen antreten.

Da ist Johan Rensfeldt (Rap), dem sein breitkrempiger Hut und roter Vollbart ein etwas rabbinerhaftes Aussehen geben und der - von entsprechend göttlichem Feuer beseelt - mal auf zu hohe Mieten und unfähige Politiker schimpft, dann wieder zu den Grundlagen gelungener Partymusik zurückfindet („Na Na Na“).

David Fraenckel (Posaune) rochiert mit Joakim Nilsson (Saxofon) in ausgefeilten Doppelchoreografien um ihn herum und erinnert die Damenwelt im durchgeschwitzten, leicht aufgeknöpften weißen Hemd nebenbei daran, dass Blasmusik - abseits von Musikantenstadl und Marschkapelle - tatsächlich sexy sein kann.

Unter hektischen Posaunenstößen und den unermüdlich nach vorn treibenden Drumbeats von Anders Rensfeldt (DJ) löst sich der Raum bald auf: Die klassische Aufgabenverteilung zwischen fußfaulem Flaschenhalter hinten und Bewegungsenthusiasten vorn gilt nicht mehr.

Vom glatzköpfigen Yuppie-Typ zur Dame in Strick, vom tätowierten Groupie zu den Milchgesichtern in Reihe vier ist alles in Bewegung vereint. Eine Party wie am Rand des Vulkans.

Von Lennart Martens

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