Sommerakademie für komische Kunst: Junge Künstler stellen Malerei in der Caricatura aus

Eine plüschige Ahnengalerie

Klassisches Tierbild: Ein Hund wacht über die Beute. Jagdstillleben des flämischen Malers Jan Fyt (1611-1661). Foto: nh

Kassel. Jeden Tag ist Dr. Justus Lange von Alten Meistern umgeben. Als Leiter der Gemäldegalerie im Schloss Wilhelmshöhe kennt er sich mit den Werken deutscher, italienischer und flämischer Maler bestens aus.

Komische Kunst gehört eigentlich nicht zu seinem Fachgebiet. Dennoch hielt er am Samstag einen Vortrag in der Caricatura. Klangvoller (und nicht ganz ernst gemeinter) Titel seiner Ausführungen: Das Kuscheltier in der flämischen Malerei - Kontextualisierung und Analyse. Grund für Langes Besuch war eine Ausstellungseröffnung. Die 18 Teilnehmer der Sommerakademie für komische Kunst - junge Cartoonisten, Karikaturisten und Illustratoren - präsentieren ihre Arbeiten. Für eine Woche hatten sie ihre Zeichenstifte gegen Pinsel getauscht und sich intensiv mit dem Medium Malerei auseinandergesetzt. Die Leitung hatten Rudi Hurzlmeier und Günter Mayer.

Zum Wochenprogramm gehörte ein Besuch in der Gemäldegalerie Alte Meister. „Die niederländische Malerei hat die Teilnehmer am meisten beeindruckt“, weiß Justus Lange. In der Caricatura-Schau ist das kaum zu übersehen. Dort hängen zahlreiche Porträts, die in Farbgebung und Stil stark an Frans Hals, Antonis Van Dyck und Rembrandt erinnern. Einziger Unterschied: Sie zeigen keine Menschen, sondern Kuscheltiere.

Ein Auge fürs Detail

Die jungen Künstler haben Wert auf Details gelegt. Ihre plüschigen Protagonisten tragen typische Kleidung des 17. Jahrhunderts, und auch die Gestik ist nahezu identisch mit den alten Vorbildern. „Typisch für das Porträt dieser Zeit war eine elegante, aufgelockerte Pose“, erklärte Justus Lange in seinem Vortrag. Die Darstellungen sollten natürlich wirken. Auch kleine Accessoires schmückten damals nahezu jedes Bildnis. Gläser, Bücher, sogar Fliegen.

So hält die Figur in Heike Drewelows Porträt ein Wurstbrot in den Pfoten, und Daniel Wolfs bieder gekleideter Plüsch-Hund posiert mit einer Futterdose. Auch bei den Titeln ihrer Bilder haben sich die Künstler an den niederländischen Vorbildern orientiert. Wunderbar ist zum Beispiel Malachas „Venezianischer Handlungsreisenbär, um 16.30 - 16.35“.

Neben den Porträts, die den optischen Mittelpunkt bilden, umfasst die Schau weitere Arbeiten, die während der Sommerakademie entstanden sind. Die Künstler probierten sich in Landschaftsmalerei aus, und für die Süddeutsche Zeitung sind Karikaturen zum Thema „Olympia 2018“ entstanden.

Bis 29. August in der Caricatura-Galerie (Kulturbahnhof), Do. und Fr. von 14 bis 20 Uhr, Sa. und So. von 12 bis 20 Uhr geöffnet.

Von Pamela De Filippo

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