Eine Prinzessin und ein Duracell-Hase: Ira Atari und „Fuck Art, Let’s Dance!“ im Unten

Ira Atari

Kassel. Ira Atari ist sehr viel intelligenter als die Deutsche Bank. Als Support für ihre aktuelle Tour hat die aus Kassel stammende Electropop-Sängerin die Hamburger Band „Fuck Art, Let’s Dance!“ engagiert. Eine Filiale der Deutschen Bank hingegen hat dem Quartett einst ein Firmenkonto verweigert - wegen des Wortes „Fuck“ im Bandnamen.

Schön blöd müssen die Banker sein, denn die Hanseaten gelten als das nächste große Ding im Indiepop. Selbst der britische „New Musical Express“ lobte das Debütalbum „Atlas“. Dabei werden deutsche Bands auf der Insel traditionell ignoriert.

Beim vom Kasseler Schlachthof organisierten Konzert im Unten bewiesen „Fuck Art, Let’s Dance!“, dass sie ihren Namen völlig zu Recht tragen. Die Kunst und auch alles andere ist egal, jetzt wird getanzt. Manchmal klingt ihr Synthie-Pop mit den treibenden Beats wie Techno mit Instrumenten. Die Stimme von Frontmann Nico Cham verleiht dem Sound etwas Wehmütiges. Dazu hüpft der junge Mann mit dem Hipster-Schnäuzer wie ein Flummi über die Bühne und durch die Zuschauermenge. Dagegen sähe selbst der Duracell-Hase ganz schön alt aus.

Ira Göbel alias Atari kann sich anschließend dennoch behaupten. Die neuen Songs der Wahl-Berlinerin, die an der Kasseler Musikakademie studiert hat, klingen nicht mehr nach wilder Party, dafür nach kühlem 80er-Jahre-Pop. Trotzdem haben selbst die melancholischeren Stücke live ordentlich Wumms. Dafür sorgt unter anderem Göbels Freund Bernhard Raser am Schlagzeug. Ein sehr souveräner Auftritt der „deutschen Electro-Prinzessin“ vor 80 Gästen.

Ihre weiblichen Fans hatte sie übrigens schon vor dem Auftritt mit Charme überzeugt. „Vielen Dank an die Mädels, die mich eben an der Toilette vorgelassen haben“, sagte Atari nach dem ersten Lied.

Ira Ataris EP „Heroes“: ab 7. November bei Audiolith.

Von Matthias Lohr

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