Die deutsche Formation Schiller ließ sphärische Klänge durch die Kasseler Stadthalle wabern

Wie eine Reise durchs All

Wie auf der Kommandozentrale eines Raumschiffs: die Musiker von Schiller beim Auftritt in Kassel. Foto: Fischer

Kassel. Über die Musik von Schiller könnte man viel sagen. Im Grunde aber reichen drei Begriffe: Sphärisch, mystisch, elektronisch. 1998 hatten Christopher von Deylen und Mirko von Schliefen dieses Projekt für cluborientierte, melodiebezogene und elektronische Musik ins Leben gerufen.

Seither hat sich viel getan. Seit Christopher von Deylen 2003 allein weitermachte, hat die Musik bombastische Klangdimensionen angenommen und auch kommerziell ihren Siegeszug angetreten. Das Album „Weltreise“ brachte dem 42-Jährigen, der für den deutschen Dichter Friedrich Schiller schwärmt, den Durchbruch.

Am Mittwoch kamen etwa 700 Besucher in die Kasseler Stadthalle, um sich von den sphärischen Klängen davontragen zu lassen. „Sie werden manches hören, das alt klingt und manches, das neu klingt“, begrüßte von Deylen das Publikum und wünschte „viel Spaß auf unserer Reise“.

Wohin die Reise geht, lässt sich mit dem Begriff Fantasie beschreiben: in Traumwelten, ins Weltall oder ins Unterbewusstsein. Dort würde diese Musik hinpassen, dort könnte sie entstanden sein.

Wie auf der Kommandozentrale eines Raumschiffes wirken die Musiker. Sie und ihre Synthesizer sind kaum zu erkennen. Wie in einem Lichtnebel zeichnen sich nur die Konturen ab.

Die Scheinwerfer aber strahlen nicht nur auf die Bühne, sondern immer wieder auch ins Publikum. Die Musik hat etwas Suggestives. Bisweilen sind die sphärischen Klänge so gesetzt, dass einzelne Elemente die Besucher zu umkreisen scheinen.

Der Sound kommt gut. Immer wieder auch durchziehen mystische Stimmen die Musik. „Sehnsucht“ haucht eine weibliche Stimme. Auch Tonschnipsel tragen zu Schillers Klangkosmos bei. Dann klingt es, als habe jemand eine Tür zugedonnert oder als würden Wassertropfen auf einer Herdplatte zischen. Alles elektronisch kreiert.

Effekte stehen für Gefühle, die nachgeahmt, nicht aber selbst generiert werden. Bisweilen klingt die Musik wie für eine entspannende Meditation komponiert, bisweilen wie für einen Kinothriller. Sie klingt, trotz Cliff Hewitts wuchtiger Schläge auf das E-Schlagzeug, nie greifbar, nicht geerdet. Klangreisen eben. Viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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