Das Kasseler Theater-Jugendorchester-Projekt feierte eine umjubelte Premiere mit „A.I.D.A. Activation!“

Eine Revolution liegt in der Luft

Die Empörung rausschreien: Sprechchor in „A.I.D.A. Activation!“ Foto: Klinger

KASSEL. Zuerst ist Aida (Eglé Sˇidlauskaité) noch allein: „Wir sind die Jugend, wir sind die Kraft!“ Doch dann kommen sie von allen Seiten. Immer mehr schreien ihre Empörung in einem erregten Sprechchor heraus. Obwohl man gut ausgebildet sei, habe man keine Zukunft. Dazu Getöse vom Orchester, bis die Trompeten Fanfaren schmettern und ein martialischer Verdi-Chor in die Ohren fährt. Revolution liegt in der Luft.

Im ausverkauften Kasseler Schauspielhaus gibt es Beifall schon während und nach der Eröffnungsszene. Couragiert packt das diesjährige Theater-Jugendorchester-Projekt aktuelle Themen an, denn es holt Giuseppe Verdis Opernklassiker „Aida“ mit Blick auf die Occupy-Bewegung und den Arabischen Frühling in die Gegenwart. „A.I.D.A. Activation!“ ist der fulminante Abschluss der Verdi-Trilogie, die das Staatstheater Kassel zusammen mit dem Opernloft Hamburg entwickelt hat.

Bringt die erste Szene die weltweite Proteststimmung vieler Jugendlicher zum Ausdruck, so fokussiert sich die Handlung im Folgenden auf die arabischen Länder. Die knapp 30 jungen Darsteller zeigen verschiedene Haltungen zum Aufstand. Da ist die junge Frau, deren Mann in einer Demonstration erschossen wurde. Da ist ein deutscher Journalist, der schon zu viele Folterungen gesehen hat. Für zusätzlichen Furor sorgt ein brüllender „Megafon-Mann“.

Mittendrin sind Aida und Radames mit ihrer Liebe. Aida ist Revolutionärin, während Radames als Sohn des Diktators dem Aufstand zunächst skeptisch gegenübersteht. Eglé Sˇidlauskaité vom Opernstudio des Staatstheaters und der Gast-Tenor Kwonsoo Jeon überzeugen mit frischen, vielversprechenden Stimmen. Strahlend erklingt die bekannte Tenorarie „Celeste Aida“.

Aber auch allen anderen gebührt großes Lob. Die Essener Regisseurin Eva Lange hat die einstündige Neufassung der Verdi-Oper packend in Szene gesetzt. Die jungen Darsteller, die vor dem Orchester agieren, rütteln mit ihrer Energie auf. Und der Dirigent Thomas Rimes, der auch die Arrangements geschrieben hat, hält alles präzise zusammen.

Annähernd 70 junge Instrumentalisten spielen in dem mit E-Drums und Synthesizer aufgerüsteten Theater-Jugendorchester, das Verdis rhythmische Wucht bestens rüber-bringt. Eine tolle Leistung - auch der Trompeter, die den berühmten Triumphmarsch als tragische Begleitung zu einer von der Regierung brutal zerschlagenen Demonstration blasen. Das Publikum zieht zuletzt alle Register der Begeisterung. Minutenlange Ovationen.

Wieder am: 23., 24. und 28. Juni. Karten unter 0561/1094-222 und www.staatstheater-kassel.de

Von Georg Pepl

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