Der Kabarettist Arnim Töpel im Theaterstübchen

Eine WG für den Ruhestand

Arnim Töpel

Kassel. Wenn das Ticken der biologischen Uhr im Kopf dröhnt, dann ist es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, mit wem man seine Senioren-WG bestückt. Nicht leicht herauszufinden, mit „wem man mehr als eine Mahlzeit verbringen möchte“, meint Arnim Töpel. Fest steht für den Kabarettisten nur: „Wer Pur hört, bleibt draußen oder hat Kehrwoche. Denn solche Leute mögen auch Diddel.“

Mit seinem Programm „rechtzeitig gehen“ unterhielt Töpel am Donnerstag die Besucher im gut gefüllten Theaterstübchen auf das Beste. Töpel ist ein Kabarettist der leisen Töne. Die Stimme hat den beruhigenden Ton eines tröstenden Freundes, und wenn er sich ans Klavier setzt und singt, wird’s noch entspannter.

Doch bei Töpel steckt der Wolf im Streichelpelz. Gern nimmt er sich etwa selbst auf den Arm. So bei der Suche nach den geeigneten Ruhestandspartnern. Wie schwer das Zusammenleben sein kann, zeigen schon kurze Urlaubswochen: „Über soziale Fragen waren wir uns einig, nur über die Duschordnung und die Umdrehungen des Kloschlüssels nicht.“ Erschwerend kommt für ihn hinzu, dass Mann und Frau verschieden ticken: „Männer ziehen gern um die Blöcke, und wenn sie dreißig Jahre später plötzlich wieder auftauchen, dann war das eine Trennung auf Probe.“ Zwischendurch setzt Töpel sich immer wieder ans Klavier und haucht dabei als Romantiker ins Mikro: „Alle nur nicht ohne Liebe.“ Für ihn ein fließender Übergang zu seiner Problemstellung: Wie findet er die Richtigen für seine Spätherbst-WG? Über Kontaktanzeigen? Klare Absage. Denn welche Leute antworten da? „Bruno, 36, Bi und für alles offen.“

Vielleicht wäre alles einfacher, wenn er in einem anderen Land leben würde, denn „Deutsche sind immer in Bereitschaft“, meint er und ruft gespielt provozierend ins Publikum: „Sie gehören doch auch zu denen, die morgens ihren Wecker anschreien: Na endlich.“

Gegen Ende des Programms überkommt Töpel der Wunsch nach einem entspannenden Lied der kollektiven Erkenntnis: „Bitte mitsingen, aber als verfeindete Gruppen“. Vergnügt beteiligt sich das Publikum am Refrain: „Wir sind alle kleine Ärsche.“ Foto:  nh

Von Steve Kuberczyk-Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.