Frühling in Freiburg: Das Augustinermuseum wurde umgebaut

Eine Schatztruhe ist wieder geöffnet

Unkeuschheit: Sandsteinfigur aus dem 14. Jahrhundert.

Freiburg. Das Freiburger Augustinermuseum gehört zu den schönsten Museen Deutschlands: wegen seiner Schätze und neuerdings wegen seines architektonischen Auftritts. Denn es ist nach mehrjähriger Renovierung wieder eröffnet worden.

Aus der Vielzahl der Kostbarkeiten seien einige herausgegriffen. Es gibt nur ganz wenige Ausstellungsorte zwischen München und Washington, die einen Grünewald besitzen. Freiburg hat einen - „Das Schneewunder“ von 1519. Ein Altarblatt, das auf verschlungenen Wegen hergekommen ist - und das Rätsel Grünewald noch rätselhafter und attraktiver macht.

Ebenfalls von erlesener Seltenheit ist der Figurenzyklus der Skulpturen vom Freiburger Münster. Bildhauer haben sie zwischen 1220 und 1330 aus Sandstein herausgemeißelt. 38 dieser imposanten Plastiken, teilweise drei Meter hoch, sind bei der Sanierung des Westturmes aus 50 Metern Höhe heruntergeholt und durch Kopien ersetzt worden. Nun steht man den Originalen gegenüber - Propheten von bezwingender Plastizität, als wären es Menschen, die zu sprechen anfangen und einem die Probleme der Welt darlegen könnten. Und es grüßt eine schöne Nackte, auffällig bemüht, ihre Blößen zu bedecken.

Glanzstücke sind auch die Glasmalereien, darunter eine entzückende „Maria mit dem Kind“ (um 1300). Sie stammt aus der Freiburger Dominikanerkirche. Den Bomben des Krieges hielt sie nicht stand. Graziöse Malkunst korrespondiert mit filigranem Reichtum und intensiver Farbigkeit.

Architekt Christoph Mäckler (der schon mit seinem wunderbaren roten Portikus in Frankfurt ein Markenzeichen gesetzt hat) hat Enge, Muff und Düsternis des alten Museums vertrieben. Nun wird Licht in die Räume gelenkt, luftige Galerien und Balkone sorgen für überraschende Perspektiven, ohne vergessen zu machen, dass es sich um Klosterbaulichkeiten handelt. Aus einem verschlafenen Raritätenkabinett ist ein attraktiver Komplex entstanden, dessen vollständige Sanierung sich noch über Jahre hin erstrecken wird. Wechselausstellungen, die aus Raumnot bislang ausgeblieben sind, können fortan stattfinden. Die eigentliche Leistung aber besteht in der Offenheit. Die sorgt für Inspiration. Draußen jedoch fangen Massen fröhlicher Studenten auf den Stufen erstmal dankbar die Frühlingssonne ein. Infos: www.freiburg.de/museen. Katalog: 19,90 Euro.

Von Wolfgang Minaty

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