Aktionstheater Kassel - Eine schauspielerische Heimat

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In Kostüm und Bühnenbild für die neue Produktion „Blaues Blut“: (von links) Bettina Damaris Lange, Christiane Petzoldt, Josi Schreier, Michael Werner, Miriam Bettin, Stephanie Hecht, Katerina Fierley, Werner Zülch, Odilie Kennerknecht, Regisseurin Helga Zülch und René Spitzer.

Kassel. Zum Jubiläum durfte es etwas größer sein. Das Aktionstheater Kassel feiert sein 35-jähriges Bestehen. Damit ist das Ensemble um Helga und Werner Zülch die dienstälteste freie Theatergruppe der Stadt. Ihr Markenzeichen sind anspruchsvolle Kinder- und Jugendstücke.

Zahlreiche Darsteller wirkten im Laufe der Jahre mit - zum Jubiläum wird nun ein Stück aufgeführt, das einige von ihnen gemeinsam auf die Bühne bringt. „Es ist gar nicht leicht, so viele Idealisten zu finden für die lange Probenzeit und ohne Geld“, sagt Regisseurin Helga Zülch.

Heleen Verburgs „Blaues Blut“ feiert am 28. August im Dock 4 Premiere. Es geht darin um Leben und Tod auf Basis einer keltischen Sage, um das Erwachsenwerden und einen König, der seine eigene Tochter heiraten will.

Charakteristisch für die Arbeit des Aktionstheaters, das jährlich mit je 8000 Euro von Stadt und Land gefördert wird (seit Jahrzehnten unverändert, sagt Werner Zülch), ist die Suche nach Räumen: Die Inszenierungen entstehen aus dem kreativen Umgang mit einem Raum - ob Laden, Bahnsteig, Container, Halle oder Waschsalon.

Premiere „Blaues Blut“ am Sonntag, 28. August, 20.30 Uhr, Halle des Dock 4. Weitere Termine bis 17.9., Karten: 0561-773142 und über aktionstheaterkassel@web.de

Stimmen von Weggefährten des Theaters

Michael Werner (44):

Hat schon als Jugendlicher beim Aktionstheater angefangen, seitdem begleitet er ein bis zwei Produktionen im Jahr. „Mich überzeugen die Ernsthaftigkeit der Arbeit, die Reduktion, wir sehen: Man braucht nicht so viel Emotionen, Gestik und Mimik.“ Ferner hebt er das besondere Bühnenbild hervor, das jedes Mal eine Installation sei. Besonders intensiv war für ihn die Zeit mit dem Stück „Dossier Ronald Akkermann“ in einer Kooperation mit der Kasseler Aidshilfe, über die er seine Examensarbeit geschrieben hat. Er erinnert sich, dass die Zuschauer in einem Laden in der Neuen Fahrt gar nicht gehen wollten, weil sie so bewegt waren. Werner gefällt auch, dass das Publikum sehr gemischt ist, alle Altersstufen sind vertreten, viele Fans „haben quasi einen festen Stuhl bei uns gemietet“.

Josie Schreier (14):

Ist das jüngste aktuelle Ensemblemitglied. „Werner Zülch war mein Lehrer an der Gesamtschule Fuldatal, er hat mich gefragt, ob ich hier mitmachen will.“

Stephanie Hecht (43):

Ist seit 15 Jahren dabei. Beeindruckend sind für sie „die Bühnenbilder, die Helga Zülch findet, die haben eine große Tiefe“. Hecht hatte sich auf einen Casting-Aufruf gemeldet und gezittert, ob sie unter vielen Bewerberinnen die einzige Frauenrolle ergattern kann. Es hat geklappt. „Mir war es wichtig, eine Gruppe zu finden, in der ich mich wohlfühle mit den Menschen, wo ich mich beheimatet fühle.“

Odilie Kennerknecht (29):

Hat in ihrer Theaterarbeit mit anderen Regisseuren noch nie erlebt, dass man sich darstellerisch so auf die Bühneninstallation bezieht: „Da ist alles von Anfang an da, schon bei der ersten Improvisation. Die Arbeit mit diesen Bildern erleichtert vieles.“ Dadurch, dass man von Anfang an in den Kostümen probt, schlüpfe man leichter in die Figuren hinein. Desto wichtiger: danach miteinander etwas trinken zu gehen.

Von Bettina Fraschke

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