Ausstellung „Tür an Tür“ im Berliner Gropius-Bau beleuchtet die deutsch-polnische Geschichte

Eine schwierige Nachbarschaft

Aus Buchsbaum: Veit Stoß’ „Madonna mit dem Kind“ (um 1500).

Berlin. Es ist eine Mammutaufgabe, die Geschichte der Nachbarländer Polen und Deutschland in einer einzigen Ausstellung wiederzugeben. Doch der Martin-Gropius-Bau in Berlin und das Königsschloss in Warschau haben sich mit der Schau „Tür an Tür. Polen - Deutschland.

1000 Jahre Kunst und Geschichte“ dieser Herausforderung gestellt. Mit 800 historischen und zeitgenössischen Exponaten von über 200 Leihgebern wird von dieser wechselvollen Beziehung erzählt - chronologisch in 19 Sälen geordnet.

Tafelbild von 1410/20: Richeza, die ab 1025 Königin von Polen war.

„Eine Nachbarschaft in Auseinandersetzung, die oft durch Gewalt, Krieg, Teilung und Vertreibung geprägt war“, sagte Bundespräsident Christian Wulff bei der Eröffnung. Das dunkelste Kapitel wird nicht ausgespart. So erinnert Andrzej Wróblewskis Ölbild „Erschießung mit einem Jungen“ (1949) an die NS-Massenexekutionen polnischer Bürger. Als zeitgenössischer Kontrapunkt ist eine Collage aus Gerhard Richters Archiv „Atlas“ zu sehen, das er aus Fotografien von Massengräbern, Konzentrationslagern und Exekutionen zusammensetzte.

Den Auftakt der gemeinsamen Geschichte markiert das Treffen des römisch-deutschen Kaisers Otto III. mit Boleslaw I. in Gnesen - es legte im Jahr 1000 den Grundstein zur Bildung des polnischen Staates. In Berlin ist eine wertvolle Kirchentür aus Gnesen ausgestellt. „Durch diese Tür haben sich Deutsche und Polen erstmals als Nachbarn gesehen“, sagte Polens Präsident Bronislaw Komorowski.

Denken, das Grenzen überschreitet: Nicolaus Copernicus, (unbekannter Maler, vor 1595).

Wichtiger Kitt der Beziehungen waren immer Eheschließungen zwischen Adelshäusern. Ein mittelalterliches Tafelbild zeigt Ottos Nichte Richeza, die 1025, aus Köln kommend, durch Heirat Königin von Polen wurde. Die legendäre „Landshuter Hochzeit“ zwischen Herzogin Hedwig und Georg dem Reichen 1475 ist ebenfalls dokumentiert.

Zu den Glanzlichtern gehören Meisterwerke des Bildhauers Veit Stoß, der sowohl in Nürnberg wie auch in Krakau arbeitete - darunter alle zehn erhaltenen Kupferstichmotive und alle bekannten Zeichnungen des Bildschnitzers. Der Astronom Nicolaus Copernicus wird als Beispiel für frühes grenzüberschreitendes Denken vorgestellt.

Luther 2003: Der Maler Wilhelm Sasnal zitiert ein Gemälde von Lucas Cranach d. Ä.

Zu sehen sind in 22 Kapiteln zu Themen wie dem Deutschen Orden, die Teilung Polens und die Solidarnosc-Bewegung neben Ölbildern, Büsten und Skulpturen Gebetbücher, Schmuck, Fotografien und Filme. Im Lichthof wird die Geschichte der Schlacht von Tannenberg 1410 thematisiert. Das Monumentalgemälde „Die Preußische Huldigung“ von Jan Matejko wurde dafür aus Krakau geliehen. (dpa/dapd)

Inspiriert von Fotos zerstörter Synagogen aus Holz: „Narowla I“ aus Frank Stellas Serie „Polish Villages“ (1971).

Bis 9.1., Niederkirchnerstr. 7, www.gropiusbau.de, Mi bis Mo 10 bis 20 Uhr, Eintritt: 12 (7) Euro, Katalog: DuMont, 780 S., 39,95 Euro.

Von Patricia Czarkowski und Nada Weigelt

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