Der sehnsüchtige Pop der Lykke Li

Eine Stimme wie ein Diamant

Lykke Li Foto:  Warner

An Energie mangelt es dem Album „Wounded Rhymes“ nicht. Obgleich von Leichtfüßigkeit nicht die Rede sein kann. Dafür passiert zu vieles gleichzeitig, rollen die Voodoo-Trommeln zu mächtig. Auf den schnelleren Nummern des zweiten Albums der 24-jährigen Stockholmerin Lykke Li gibt die Percussion kaum Ruhe. Auch die Orgel arbeitet mit an der Permanenz eines Grooves, der an den Soulpop der 60er-Jahre erinnert.

Und weil der Hall auf jedem Instrument, fast auf jedem Geräusch liegt, klingen die Songs nicht nur ein wenig nach Einsamkeit, sondern auch sehr zeitgemäß. Was paradox anmutet, wenn man bedenkt, dass es vor allem Retro-Bands sind - derzeit die hippen Wiedergänger der Psychedelic - bei denen der schwere Hall so hoch im Kurs steht.

Lykke Li hat eine Stimme, die man sich unbedingt merkt: Mädchenhell und hochtransparent schneidet sich ihr Gesang wie ein Diamant durch Stahl und Glas. Nach vorne gemischt und ebenfalls mit leichtem Hall versehen, dominiert diese Stimme den Rest des Geschehens, auch indem Lykke Li die tollen Refrains des Albums singend gestaltet.

Lykke Li Zachrisson, die 1986 zur Welt kam und mit den Eltern durch die halbe Welt zog, bevor sie 2008 mit ihrem Debüt „Youth Novels“ berühmt wurde, fühlte sich nach zwei Jahren eines Lebens auf der Live-Überholspur und einer offensichtlich katastrophal gescheiterten Liebesbeziehung ausgebrannt. Sie verzog sich in die Wüste Kaliforniens, möbelte ihr lädiertes Herz auf, lieh sich ein altes Klavier und fing dann irgendwann an, Songs zu schreiben.

„Wounded Rhymes“ ist düster und sphärisch, sehnsüchtig und traurig. Lykke Li sagt: „Wenn ich singe, dann geht es immer um meine intimsten Emotionen, über die ich mit niemandem sprechen würde. Aber es ist meine Bühne, mein Raum, an dem ich alles ausdrücken kann, was ich will.“

Lykke Li: Wounded Rhymes (Warner). Wertung: !!!!:

Von Michael Saager

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