Nils Gessinger und seine Band eroberten das Kulturzentrum Schlachthof mit glamourösem Jazzfunk

Eine stürmische Angelegenheit

Ließen die Post abgehen: Gitarrist Rüdiger Nass (von links), Saxofonist Björn Berge, Schlagzeuger Jost Nickel, Bassist Arnd Geiser und Pianist Nils Gessinger beim Auftritt im Schlachthof. Foto:  Malmus

Kassel. Wir schreiben das Jahr 1970. Bands wie Earth, Wind & Fire und die Crusaders feiern mit einer Mischung aus Jazz, Funk und Discosound ihre größten Erfolge. Dazu gesellen sich Musiker wie George Duke, Billy Cobham und Grover Washington, allesamt Afroamerikaner, bestens ausgebildet und gewillt, mit der Kombination aus harmonischem Feingeschmeide, solistischen Höchstleistungen und tanzbaren Beats in der Musikarena Bares abzuschöpfen. Es funktionierte.

Doch nach einigen Jahren verläuft die musikalische Spur im Sand. Dass ein deutscher Jazzmusiker wie der Pianist Nils Gessinger die elegant designte Party-Fackel wieder durch die Liveclubs trägt, ist lobenswert. Denn heutzutage kann man mit diesem Sound nicht mehr die Goldbarren im Keller stapeln.

Jede Menge Ideen

Gerade mal 25 Gäste wollten das hochkarätig besetzte Sextett um den Jan-Delay-Drummer Jost Nickel und die Maffay-Studiosängerin Madeleine Lang im Schlachthof erleben. Geboten wurden Einfälle und Ideen, die für drei Konzerte gereicht hätten. Selten gab es eine milde Brise, öfters einen heißen Fön, und ab und an stürmte es zu heftig. Da entriss man jedem Takt die Ruhe und wirbelte mit Abschlägen, Breaks und Betonungen durch die Arrangements. Von Präzision und Spielfreude getrieben, gab man dem Zuhörer selten die Möglichkeit zu verweilen.

Allerbeste Seite

Doch wenn man ein Thema einfach mal laufen ließ, zeigten sich Soul und Funk von ihrer allerbesten Seite. Das rauchig-kraftvolle Timbre von Madeleine Lang erinnerte an June Pointer von den Pointer Sisters, das Fender Rhodes von Gessinger flatterte wie bei Herbie Hancock und lieferte den Rest, der diese Musik so sexy wirken lässt. So gab es viel Applaus von wenig Gästen, doch die Tour verläuft laut Managerin und Ehefrau Petra Gessinger insgesamt sehr vielversprechend.

Von Andreas Köthe

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