Tomás Saraceno zeigt seine Installation „Cloud Cities“ im Hamburger Bahnhof in Berlin

Eine Welt im Schwebezustand

Utopische Lebenswelt: Tomás Saraceno mit seinen Kapseln aus Folie. Foto:  dpa

Berlin. Es sieht aus wie ein dichtes Netz aus Spinnweben mit riesenhaften Tautropfen, oder sind’s molekulare Raumkapseln, die Netzeknüpfer Tomás Saraceno im Hamburger Bahnhof in Berlin installierte? Auf jeden Fall ein echter Blickfang, was der Argentinier da für die große Historische Halle designt hat.

Der 1973 geborene Performance- und Installationskünstler, der andernorts auch schon ein „Fliegendes Gewächshaus“ und Galaxien aus Fäden einrichtete, schafft mit seinen schwebenden Kugeln soziale und architektonische Utopien, die Naturwissenschaft und Kunst geschickt verknüpfen.

Seine Raumkapseln sollen angesichts von Klimawandel und Bevölkerungsexplosion fiktiven „alternativen Wohnraum bereitstellen“. So die Begründung für den im vergangenen Jahr an Saraceno verliehenen „1822-Kunstpreis“ der Frankfurter Sparkasse.

In Frankfurt am Main lebt der 38-Jährige auch. Dort bildete er sich nach seinem Studium der Kunst und Architektur in Buenos Aires bei Thomas Bayrle und Ben van Berkel weiter. Man könnte ihn aber ebenso fragen, was er von Olafur Eliasson gelernt hat oder aus astronomischen Büchern?

Denn so eindrucksvoll seine „Cloud Cities“ auch sind, besonders originell wirken sie nicht. Wie riesige Seifenblasen, die mal von Pflanzen bewohnt werden und nur von schwarzen Seilnetzen gehalten, schweben die Wolken-Städte im Raum. Die hängenden Siedlungen des Mannes, der 2010 schon in der Berliner Akademie der Künste zur Gruppenschau „Realität und Utopie“ Einblick in sein Modulsystem gab, sind dafür eine Augenweide und laden zum Mitwirken ein. Ein Event also, diese neue Ausstellung im Bahnhof, der schon für Carsten Höllers Rentiere zum Erlebnisraum mutierte.

Erstmals werden rund 20 von Saracenos „Biosphären“-Arbeiten zusammen gezeigt. Seine utopische Lebenswelt aus Ballonmodulen, schwebenden Kugeln und filigranen Netzen spielt er in immer neuen Varianten durch. Die jüngste Version der luftigen Gärten und fliegenden Wolkengebilde animiert die Besucher, „ihren Traum vom Fliegen zu verwirklichen“, wie die Freunde der Nationalgalerie, die diese Sonderschau ermöglichen, verkünden.

Aber Achtung: Schwindelgefühle sind nicht auszuschließen. „Er orientiert sich an Seifenblasen und der ungeheuren Stärke und Flexibilität von Spinnweben.“

Bis 15. Januar, Invalidenstraße 50-51, Tel. 030/3978 3411. www.hamburgerbahnhof.de

Von Andrea Hilgenstock

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.