John Cages Komposition „4:33“ per Smartphone

Eine Weltkarte der Geräusche

Jeder kann Künstler sein: Die App zu John Cages Komposition „4:33“.

Klingt Stille auf Hawaii anders als auf Island? Das kann nun eine interaktiv nutzbare App per Smartphone erfahrbar machen. Es war der Avantgarde-Künstler John Cage (1912-1992), der mit seiner Komposition „4:33“ im Jahr 1952 die Musikwelt aufgestört hat.

Vier Minuten und 33 Sekunden lang herrscht in diesem Stück Stille. Die frei zu wählenden Instrumente schweigen, bei der Uraufführung war es ein Konzertflügel. Die Partitur besteht lediglich aus dem lateinischen Wort „tacet“ (er/sie/es schweigt).

Doch was heißt schon Stille? Die Aufmerksamkeit der Zuhörer sollte während der Aufführung auf die Geräusche der Umgebung gelenkt werden, ein Klangkosmos jenseits des Vorgefertigten sollte entdeckt und auch genossen werden. Die John-Cage-Stiftung hat nun eine App herausgebracht, die bei einschlägigen Internetanbietern für 89 Cent gekauft werden kann. Damit kann jeder Cages Komposition nachempfinden und 4:33 Minuten lang eine vermeintliche Stille aufzeichnen.

Die so entstandenen Geräuschdateien können dann im Netz hochgeladen werden. Die Weltkarte, die auch auf der Website johncage.org zu sehen ist, wird sich somit immer mehr mit Markierungsstiften für die Orte der eingestellten Dateien füllen – eine Geräuschkarte der Welt entsteht. Nutzer können von Klangkulisse zu Klangkulisse navigieren und so der Ausgangsfrage näherkommen, wie Stille an welchem Ort klingt. Das verbindet dann auch die Menschen, die im Aufnehmen und Anhören die Idee John Cages weitertragen.

Von Bettina Fraschke

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