Minor Swing aus Kassel wirkten etwas lustlos und geschwächt bei ihrem Auftritt im Schlachthof

Mit einem Mangel an Offensivkraft

Hatten nicht den stärksten Tag: Jörg Teibach (Gitarre, Violine, von links), Mario Carboni, Frank Brinkmann (Gitarren), Hannes Volkhardt (Kontrabass). Foto: Malmus

Kassel. Manchmal steckt in einem Konzert der Wurm. Der Saal ist voll, der Bühnenaufbau ansprechend, der Pressetext verkündet programmatische Spannung - aber trotz aller Bemühungen der exzellenten Musiker zerbröckelt die Emotionalität der Performance in viele unauffällige Partikel, die sich dem kreativ forschenden Besucher nur selten zwingend aufdrängen. So geschehen am Donnerstagabend beim Auftritt des Kasseler Gypsyjazz-Quartetts Minor Swing im Kulturzentrum Schlachthof.

Bemüht man eine gedankliche Plus-Minus-Liste zur Analyse, bleibt als Fazit nur die Erkenntnis, dass dieser Abend nicht als Sternstunde in der Bandbiografie vermerkt werden kann. Auf der einen Seite Ungenauigkeiten im Zusammenspiel, flapsige Moderation, soundtechnische Probleme und die Tatsache, dass feurige Zigeunermukke definitiv nicht nach Mumie aussehen sollte. Gefallen konnten Minor Swing mit überzeugenden Soli, rhythmischem Minimalismus und abwechslungsreicher Instrumentierung. Gitarrist Frank Brinkmann präsentierte die interessanten Linien, doch durch eine Bronchitis geschwächt, mangelte es ihm an Offensivkraft.

Davon hatte Mario Carboni, ebenfalls Gitarrist und Klarinettist, mehr als genug. Sein Spiel wirkte klar und akzentuiert, doch manch technischer Klimmzug klang eher nach Muscle Beach als nach sensibler Weiterentwicklung des Vermächtnisses Django Reinhardts. Der dritte Gitarrist im Bunde, Jörg Teibach, brillierte des Öfteren mit der Violine, und Kontrabassist Hannes Volkhardt sorgte für Schwung, aber auch für schwammige Frequenzen. Gespielt wurden Klassiker wie „Nuages“ und „Sweet Chorus“, und auch Jazzstandards wie „Night and day“ gehörten zum Repertoire. Allerdings wünschte man sich etwas mehr Mut bei der Formung und Gestaltung des Materials. Denn Django Reinhardt ist Geschichte, und sein Erbe verlangt nach einem adäquaten Platz in der Zukunft. Freundlicher Applaus.

Von Andreas Köthe

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