Regisseurin Helen Malkowsky über ihre „Parsifal“-Inszenierung - Premiere am Freitag

„Einen Strauß Fragen schenken“

Inszeniert den „Parsifal“: Helen Malkowsky. Foto: Dimov/nh

Kassel. Eine entscheidende Begegnung bei Richard Wagners „Parsifal“ kommt in der Bühnenhandlung gar nicht vor, sie wird als Vorgeschichte erzählt: Die Begegnung des Gralskönigs Amfortas mit der geheimnisvollen Kundry. Die Regisseurin der Kasseler Neuinszenierung, Helen Malkows-ky, sieht darin eine Keimzelle des Werks. „Wenn man unterstellt, das war ein Liebesmoment - dann muss man fragen, was so ein Moment mit den zwei Menschen macht.“

Die tiefe Verletzung des Amfortas, das Schicksal der Kundry, die Gutes will und Böses tut - aus dieser Konstellation ergeben sich einige Konsequenzen für die Bielefelder Operndirektorin, die sich mit der „Parsifal“-Inszenierung erstmals am Kasseler Staatstheater vorstellt.

Die Regisseurin will nah herangehen, an diese merkwürdige (Nicht-)Beziehung, die im krassen Gegensatz steht zu der streng hierarchischen, militanten Ordnung der Gralsritter, die sich vor allem durch Verbote definieren. Und die dabei sexuelle Askese beim Streben nach Erlösung an die erste Stelle setzen. Ein Thema, mit dem auch Richard Wagner rang. Dass er sich über ein solches Konstrukt gewissermaßen auch selbst Absolution erteilt, findet die gebürtige Dresdnerin bemerkenswert.

Gleichzeitig ist im „Parsifal“ der Glaube an Erlösung, an einen Erlöser so tief in der Musik verankert, dass man sich dem nicht entziehen kann. Glaube - nicht unbedingt im religiösen Sinn - ist ebenfalls ein Aspekt, der Malkowsky an diesem Werk fasziniert. Was ist das für eine Kraft? Dieser Frage kann man im „Parsifal“ nicht ausweichen, meint Malkowsky.

Für ihren Zugang zu dem Werk spielt das „Vertrauen in die Musik“ eine große Rolle. Durchaus naheliegend bei einer Regisseurin, die in ihrer Heimatstadt Dresden zuerst ein Musikstudium absolvierte, ehe sie sich der szenischen Arbeit verschrieb. Ihr Alter mag die ledige Künstlerin, die vor ihrem Bielefelder Engagement Oberspielleiterin in Nürnberg war, übrigens nicht nennen.

Der „Parsifal“ stellt Malkowsky zufolge an die Regie andere Anforderungen als die übrigen Werke Wagners: „Die üblichen Zeitmaße sind hier aufgehoben.“ Während die eigentliche Geschichte schnell erzählt ist, muss die Regie Bilder finden, die entsprechend der gedehnten Erzählweise Wagners lange tragen, „Bilder, in denen man sich bewegen kann“.

Eine Herausforderung ist der „Parsifal“ auch für das Publikum, nicht nur wegen der außergewöhnlichen Länge von mehr als vier Stunden reiner Spielzeit. Malkowsky: „Jeder erlebt das Werk anders, jeder muss entscheiden, was ihn angeht, was ihn bewegt - und wo die eigenen Grenzen sind.“

Um endgültige Lösungen geht es der Regisseurin nicht: „Das Stück stellt mehr Fragen, als es Antworten gibt.“ Dies ermögliche es ihr, „einen Strauß Fragen zu verschenken“.

Premiere: Freitag, 17 Uhr, Opernhaus (ausverkauft). Regie: Helen Malkowsky. Dirigent: Patrik Ringborg. Weitere Termine: 9., 22. und 29.4. Karten: Tel. 0561 / 1094-222.

Von Werner Fritsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.