Indie-Folk und Electro: Doppelkonzert im Kulturzelt mit Nigel Wright und Dillon

In einer düsteren Höhle

Mit großer Intensität: Der 18-jährige Nigel Wright eröffnete den Konzertabend im Kulturzelt. Foto: Malmus

Kassel. Erst Lagerfeuer, dann Luftschutzkeller. So ließe sich der Kulturzelt-Konzertabend am Donnerstag in Kürzestform beschreiben. Eigentlich sprachen Indie-Folk-Gitarrist Nigel Wright und Electro-Sound-Artistin Dillon unterschiedliches Publikum an. Was die Musiker aber eint, ist ihre Jugend: Der Singer-Songwriter aus Georgia wird gerade mal 19, die in Berlin lebende Pianistin und Sängerin Dominique Dillon de Byington wurde 1988 in Brasilien geboren. Und dann die Zurückhaltung. Beide wirkten in sich gekehrt, zaghaft, scheu.

Wright, der mit Clay Dean (Bass) und James Merritt (Schlagzeug) Songs seines Albums „Millfoil“ und solo ein schönes Leonard-Cohen-„Hallelujah“ präsentierte, hatte meist die Augen geschlossen. Nur einmal richtete er das Wort ans Publikum im bei Weitem nicht vollen temporären Bau: Er habe noch nie im Zirkus gespielt, „es sind doch weniger Elefanten da, als ich mir vorgestellt habe“. Seine Lieder waren wenig melodiös, geradlinig oder eingängig, eher ruppig, mit abrupten Wechseln und technisch auch nicht von der ausgefeilten Perfektion eines William Fitzsimmons in der vorigen Kulturzelt-Saison.

Dillon, schmal und ganz in Schwarz gekleidet, schien im Dunkel der Bühne dann vollends verschwinden zu wollen. Die Scheinwerfer im Hintergrund sorgten dafür, dass meist nur ihr langes blondes Haar im Licht glänzte. Dillons Gesicht: praktisch unsichtbar. Ihr Erscheinungsbild hat also etwas Elfenhaftes, das Techno-Bombardement von Tamer Fahri Özgönenc (Moog, Computer, E-Drums) sowie bitterböse repetitive Textfetzen, mehr geschriene björkhafte Klage und Seufzen als Gesang, sorgten aber für düstere Eindrücke.

Auch einen ganz leisen, ganz zarten Moment schenkte Dillon den am Ende johlenden, mit den Füßen stampfenden Besuchern. Als ihr Begleiter das Keyboard übernahm, sie sich hinsetzte, das Publikum singen ließ: „I was tip tapping in the dark.“ Ein vorsichtiges Umherschleichen auf Zehenspitzen, wunderbar. Trotzdem wünscht man Dillon, dass sie auch mal ans Licht findet.

Von Mark-Christian von Busse

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