Perkussionist Mohammad Reza Mortazavi faszinierte im Schlachthof

Jeder Millimeter zählt: Reza Mortazavi bei seinem spektakulären Auftritt. Foto: Fischer

Kassel. Mohammad Reza Mortazavi ist seiner Tradition enteilt. Der Daf- und Tombak-Spieler aus dem Iran ist in einen Bereich vorgestoßen, der ihm aufgrund seiner unübertroffenen Spieltechnik eine universelle Einmaligkeit beschert.

Ländergrenzen sind ihm zu eng, kulturelle Vergangenheit zu schmal und kreative Konventionen zu langweilig. Er trommelt in einer eigenen Liga. Seine Konzerte sind eine Mischung aus Zirkus, Goa-Party und Meditation.

Staunen und Tanzen sind die offensichtlichen Reaktionen, sich bei geschlossenen Augen in den rhythmischen und atmosphärischen Klangkosmos zu versenken die subtilere. Dabei erschafft er eine unwiderstehliche Symbiose aus Körper und Geist, mit der er sich in den letzten Jahren weltweit eine aufgeschlossene Fangemeinde erspielt hat. Das Publikum bei seinem ausverkauften Auftritt im Rahmen des Weltmusikfestivals im Kulturzentrum Schlachthof war vom jugendlichen Discogänger bis zum energetisch orientierten Musikliebhaber hohen Alters bunt gemischt.

Eingeleitet wurde der Abend von dem Kasseler Trio Cenawa, das mit ruhiger und sympathischer Ausstrahlung ein Programm aus persischer, türkischer und jüdischer Musik präsentierte. Eine warmherzige Ouvertüre für den Perkussions-Magier Mortazavi, dem eine in sich ruhende Souveränität die Kraft für sein präzises und faszinierendes Spiel zu geben scheint. Jeder Millimeter auf dem Trommelfell wird gestaltet und geformt, mit Finger- und Handtechniken ausdrucksstark bearbeitet und im freien wie auch im rhythmischen Kontext durch ein komplexes Frequenzband geschoben. Von satten Subbässen bis zu kaum hörbaren Klopfgeräuschen - Mortazavi steht morgens mit seinen Trommeln auf und geht abends mit ihnen ins Bett. Nur so kann man sich das Gehörte erklären. Viel Applaus und mehrere Zugaben.

Von Andreas Köthe

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