Neu im Kino: „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist eine wilde Comic-Adaption

Einer kämpft gegen viele

Verrückte Truppe: Scott Pilgrim (Michael Cera, im Uhrzeigersinn von oben links), Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead), Kim Pine (Alison Pill), Envy Adams (Brie Larson), Todd Ingram (Brandon Routh) und Julie Powers (Aubrey Plaza). Foto:  Verleih/ nh

Scott Pilgrim ist ein komischer Kauz. Er hält den Bass in einer lausigen Garagenband namens „Sex Bobomb“ (kein Druckfehler!), wohnt mit dem schwulen Wallace (Kieran Culkin) zusammen und geht mit der viel zu jungen Chinesin Knives Chau (Ellen Wong) aus.

Michael Cera, seit „Superbad“, „Juno“ und „Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht“ Hollywoods Fachmann für unschuldige, lebensuntüchtige Jungs, spielt diesen Pilgrim mit seiner bewährten Mischung aus nervös kreisenden Dackelaugen und schüchterner Unbeholfenheit. Der Nachname seiner Figur geht übrigens auf den Helden von Kurt Vonneguts Roman „Schlachthaus 5“ zurück.

Alle Sorgen sind vergessen, als Scott die schöne Ramona (Mary Elizabeth Winstead) kennenlernt, ein mysteriöses, irgendwie gefährliches Mädchen, das ständig die Haarfarbe wechselt. Ramona lässt ihn erst zappeln, ist dann doch interessiert. Haken bei der Sache: Sie hat sieben Ex-Lover, die in heroischen Kämpfen besiegt werden müssen …

Warum Scott gegen sieben Verflossene fighten muss? Keine Ahnung, und es wird im Folgenden auch nicht erklärt. „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist Edgar Wrights Verfilmung einer Graphic Novel, die eigenen Gesetzen gehorcht. Das beginnt originell und überraschend mit Split Screen (geteilter Leinwand), Zeitraffer, aufgeschriebenen Lautmalereien wie „Whoosh“, „R-i-i-i-n-g“ (wenn das Telefon klingelt) und „Pow“ sowie eingesprengselten Titeln, die das Geschehen kommentieren.

Doch je länger man zuschaut, umso weniger begreift man, worum es eigentlich geht. Besonders die überladen inszenierten Duelle folgen weder Regeln noch nehmen sie ihren Ausgang ernst.

Im Zweifelsfall spult der Film wie eine VHS-Kassette einfach zurück und liefert eine zweite Handlungsvariante. Regisseur Edgar Wright zerstört genüsslich die Prinzipien des Filmerzählens ohne allerdings dem so entstandenen Vakuum etwas Greifbares entgegenzusetzen.

Genre: Comicverfilmung

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!:::

www.hna.de/kino

Von Michael Ranze

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