Balinesische Gongs und sanfte Mundharmonika-Töne beim Orgelkonzert mit Eckhard Manz

Nur einer Pfeife ging die Luft aus

Kassel. Ein Schattendasein führt das Orgelwerk von Johannes Brahms. Wie schade das ist, führte Kantor Eckhard Manz beim Orgelkonzert der Kasseler Musiktage in der Martinskirche vor. Brahms’ späte Choralvorspielsammlung op. 122, aus der Manz zwei Werke spielte, sowie das Stück „O Traurigkeit, o Herzeleid“ ohne Opuszahl, sind dicht (nach traditionellen Satzmustern) komponiert und emotional anrührend.

Dazu spielte Manz Präludium und die Fuge g-Moll als Rahmenstücke für sein Konzert, das daneben der zeitgenössischen Orgelmusik breiten Raum gab.

Der Komponist Dieter Mack (57) gehört zu den besten Kennern balinesischer Musik. Der Beginn seines dort entstandenen Stücks „Nyepi“, was auf Deutsch Neujahr bedeutet, erinnert mit glockenähnlichen Klängen entfernt an balinesische Gongs und führt mit dem reichlichen Gebrauch von Aliquotregistern formal stringent in ungewohnte klangliche Gefilde, deren Abschluss ein Glissandoton einer hohen Pfeife ist, der buchstäblich die Luft ausgeht.

Während Olivier Messiaens Stück aus dem „Livre du Saint Sacrament“ schon zum zeitgenössischen Repertoire zählt, war das Stück „gently rings in autumn wind“ der Koreanerin Hope Lee (58) eine echte Entdeckung. Mit einer sanften Grundstimmung von Labialregistern ließen feine Ereignisse wie Wechseltöne und Triller eine musikalische Herbststimmung entstehen, die durch den Wechsel auf Zungenregister eine herbe Note empfing.

Der Kasseler Musikakademie-Dozent Frank Gerhardt (44) führte in seinem Stück „Lectiones IV“ von extremer Spreizung in hohe und tiefe Lage hin zu lärmenden Einwürfen im Plenum, ehe das Stück mit sanft geatmeten Mundharmonika-Tönen verklang. Langer Beifall der 160 Zuhörer.

Von Werner Fritsch

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