Verdis „Nabucco“ war in der Bad Hersfelder Stiftsruine ein Premierenerfolg

Einfach, aber mit Wirkung

Eindringlich: Sylvia Bleimund (Abigail) und Krzysztof Chalimoniuk (Nabucco). Foto:  Hartmann

Bad hersfeld. Das Stück passt einfach gut an diesen Ort. So imponierend die Stiftsruine, so monumental ist Verdis Oper „Nabucco“. Durch Choreffekte entfaltet sie in erster Linie ihre Wirkung. Wohl jeder kennt den Gefangenenchor „Va, pensiero“ oder, wie es in der deutschen Fassung der Bad Hersfelder Opernfestspiele heißt: „Fliegt, Gedanken“.

In konventionellen Bahnen flogen die Ideen bei der Nabucco-Premiere. Aber sie geriet zum beachtlichen Erfolg mit minutenlangen Ovationen der 1100 Besucher in der nicht restlos ausverkauften Ruine. Vermutlich war das Publikum auch davon angetan: Regisseur Rainer Wenke hat ohne gigantischen technischen Überbau eine farbenreiche, den großen Raum ausnutzende Inszenierung geschaffen.

Die von Ute Krajewski gestalteten Kostüme des Chorkollektivs, das seine Sache überzeugend macht, erinnern an Passionsspiele und Bibelfilme. Spärlich sind die Requisiten, etwa eine Menora, ein siebenarmiger Leuchter, im Hintergrund. Als Neuerung darf dezente Erotik aufblitzen. Schwarz gewandete Statistinnen bilden den kriegerischen Anhang des babylonischen Königs Nabucco. Das Heidnische wird mit einem Schuss Sinnlichkeit ausstaffiert - man sieht gar ein bauchfreies Oberteil.

Die jungen Damen halten mit Lanzen und roten Tüchern versehene Gitter, gegen die sich die hebräischen Sklaven beim Gefangenenchor vergeblich drängen. Ein einfaches, aber wirkungsvolles Bild. Dirigent Siegfried Heinrich am Pult des tschechischen Orchesters Virtuosi Brunensis nimmt das Tempo des Klagechors adäquat fließend, nicht verschleppt. Insgesamt herrscht aber eine musikantisch gemütvolle, keine elektrisierend harte Verdi-Auffassung vor.

Herausragend Sylvia Bleimund als Abigail, die ja die eigentliche Zentralfigur der Oper ist. Im Vorjahr wurde Bleimund für ihre Santuzza in „Cavalleria rusticana“ zu Recht mit dem Hersfelder Opernpreis ausgezeichnet. Auch in der extremen, mit Registerwechseln gespickten Partie der Verdi-Heroine glänzt sie mit differenzierter Stimmkultur und intensivem Spiel.

Über viel Beifall freuten sich auch Krzysztof Chalimoniuk (Nabucco), Marlene Lichtenberg (Fenena), Byoung Nam Hwang (Ismael) und der noble Bass Dariusz Niemirowicz (Zacharias). Von Nabuccos Tremolo muss man dennoch nicht begeistert sein.

„Nabucco“ läuft bis 25. August im Wechsel mit Mozarts „Zauberflöte“. Karten: Tel. 06621 - 506713.

Von Georg Pepl

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