Interview: Regisseur Anton Corbijn über seinen Kinofilm „The American“ und den Star

Einfach Clooney zusehen

Ein dunkler Charakter: George Clooney spielt in „The American“ einen Berufskiller. Foto: dapd

George Clooney spielt einen Berufskiller in der Krise in Anton Corbijns Film „The American“ nach dem Roman „A Very Private Gentleman“ von Martin Booth. Wir sprachen mit dem 55 Jahre alten niederländischen Fotografen, der mit dem Film „Control“ auch als Regisseur bekannt wurde, über sein Werk, das am Donnerstag in die Kinos kommt.

Mr. Corbijn, in welchem Genre würden Sie „The American“ ansiedeln? Im Trailer wird er als Action-Film beworben, dabei wirkt die Erzählweise des Films ja eher entschleunigt.

Anton Corbijn: Ich wollte aus der Geschichte ja keinen James-Bond-Film machen. Der Roman lebt von den Innenansichten der Figur, die mit allem abrechnet, was sie im Leben getan hat. Ich wollte ein wenig die Struktur eines Westerns herstellen und die raue, steinige Landschaft der italienischen Abruzzen passt sehr gut zu dieser Spaghetti-Western-Stimmung

Warum funktioniert die gute, alte Western-Rezeptur heute immer noch?

Corbijn: Western sind moralische Lehrstücke. Hier wird einem genau gesagt, was richtig und was falsch ist. Schon als Kind habe ich mir die Western-Serien im Fernsehen immer gern angeschaut. Das waren die ersten Filme, die ich gesehen habe.

Jack ist ein Berufskiller, der in der abgeschiedenen italienischen Kleinstadt mit seiner eigenen Existenz abrechnet. Gibt es für Männer wie ihn eine Chance auf Erlösung?

Corbijn: Gewalt lässt einen nicht mehr frei. Sie verfolgt einen ein Leben lang. Es gibt auch für ihn eine Form von Erlösung, aber dafür muss er durch etwas hindurchgehen. Mit einfachen Entschuldigungen ist es da nicht getan.

Jack wird in moralische Diskussionen mit dem katholischen Geistlichen im Ort verwickelt. Sie kommen selbst aus einer Pfarrersfamilie. War Ihr Vater ein Vorbild für diese Figur?

Corbijn: Mein Vater war ein protestantischer Pfarrer und durfte im Gegensatz zu dem katholischen Padre im Film heiraten. Wir sind in einer sehr kleinen Gemeinde auf einer Insel in den 50er-Jahren aufgewachsen. Da gab es klare moralische Vorstellungen, und ein Pfarrer ist ja dafür da, die Moral einer Gesellschaft zusammenzuhalten. Der Padre ist eine sehr menschenfreundliche Seele. Das hat er mit meinem Vater gemeinsam, der ein guter Christ im besten Sinne des Wortes war.

Was macht George Clooney zum idealen Kandidaten für die Figur des einsamen Killers?

Corbijn: In diesem Film sieht man Clooney von einer ganz anderen Seite. Es spielt hier nicht den ewigen Charmeur, sondern einen sehr viel dunkleren Charakter. George Clooney ist genau im richtigen Alter für diese Figur, und er hat auch keine Angst, sein Alter zu zeigen. Für diesen Film brauchte ich jemanden, dem man gern dabei zusieht, wie er in einem Raum sitzt und nichts tut. Einem Mann wie Clooney kann man stundenlang beim Nichtstun zusehen, da passiert immer etwas.

Als Fotograf und Musikvideo-Regisseur haben Sie unzählige Rockmusiker visuell verewigt. Wie kam es, dass Sie ausgerechnet Herbert Grönemeyer die Musik für diesen Film anvertraut haben?

Corbijn: Herbert Grönemeyer ist einer meiner engsten Freunde, und ich weiß seine Qualitäten als Musiker und Komponist sehr zu schätzen. Er hat schon Musik für Theaterstücke mit Bob Wilson gemacht und kennt sich auch mit der Filmwelt bestens aus. Wir stimulieren einander in kreativer Hinsicht. Grönemeyer hat drei Stücke für den Film geschrieben. Die Produktionsfirma kannte ihn nicht, denn außerhalb Deutschlands ist er ja nicht sehr bekannt. Aber als sie die Musik hörte, war sie begeistert. Er wird auf jeden Fall auch in meinem nächsten Film mitwirken, vielleicht sogar als Schauspieler.

Das heißt, Sie werden weiter Filme machen?

Corbijn: Eigentlich bezeichne ich mich nicht als Filmemacher, sondern als visueller Künstler, der sich mit Design, Fotografie und Film beschäftigt. Ich werde jetzt noch einen Film machen, um dann erst einmal Bilanz zu ziehen und zu entscheiden, ob ich weiter in dieser Richtung arbeiten will.

Von Martin Schwickert

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