Einfach schön: Das Pop-Duo Boy im Kasseler Kulturzelt

Hält sich gern am Mikro fest: Boy-Sängerin Valeska Steiner im Kasseler Kulturzelt. Foto: Malmus

"Niedliche Mädchen" machen "niedliche Mädchenmusik". So chauvinistisch schreiben Kritiker über das Pop-Duo Boy. Im Kasseler Kulturzelt bewiesen die Hamburgerinnen, dass sie auch anders können.

Beinahe hätte Valeska Steiner im Kasseler Kulturzelt etwas gemacht, was sie noch bei keinem Konzert gemacht hat. Bei einer von mehreren Zugaben versuchte die Schweizer Sängerin des Hamburger Pop-Duos Boy, das Mikrofon vom Ständer zu nehmen. Normalerweise ist Steiner es lieber, wenn sie sich am Stativ festhalten kann, aber „in Kassel fühle ich mich so wohl“, wie die 30-Jährige sagte. Allerdings bekam sie das Mikro nicht ab, weil das Kabel festgeknipst war.

Nicht nur Steiner und ihre deutsche Kollegin Sonja Glass (39) fühlten sich am Freitag wohl im ausverkauften Kulturzelt - auch die fast 900 Besucher strahlten nach 90 Minuten zufrieden. Wie sollte es auch anders sein bei der Wohlfühlmusik, mit der Boy seit ihrem Debütalbum 2011 international erfolgreich sind? Sogar in Japan und Dänemark standen sie auf Rang eins der Charts. Und ihr Chef Herbert Grönemeyer, bei dessen Plattenfirma die Frauen unter Vertrag sind, ist so überzeugt von den beiden, dass er ihnen vor dem zweiten Album nur riet: „Schreibt einfach die Musik, auf die ihr Lust habt.“

Boy können es sich leisten, ihren Auftritt mit dem allerbesten Song zu beginnen. Denn neben „We Were Here“, ihrer samtenen Hymne an die Unvergänglichkeit von schönen Momenten, haben sie noch ein Dutzend andere luftig-harmonische Pop-Songs im Programm, die manchmal an die Band Phoenix erinnern, bisweilen aber wie eine Kissenschlacht in Zeitlupe klingen.

Nach einer halben Stunde niedlicher Musik denkt man: Jetzt könnten die beiden mit ihrer vierköpfigen Band doch ein bisschen abgehen. Stattdessen beantworten sie Zuschauerfragen. Ein Fan will wissen, warum „ihr den Scheiß eigentlich macht“. Eine selten dämliche Frage. Glass antwortet: „Weil es Spaß macht und Rock’n’Roll ist“. Na ja, Rock’n’Roll klingt schon anders.

Doch dann spielen Boy ihren Song „Boris“ über „einen doofen Typen aus Zürich“ ziemlich krachig und Live-Gitarrist Dennis Eraslan von der tollen Indiepop-Band Fotos legt ein Neil-Young-Solo hin. Die „niedlichen Mädchen“, wie sie von chauvinistischen Kritikern genannt werden, können also auch anders.

Zum Bubblegum-Hit „Lucky Numbers“ singt das ganze Zelt mit - bis der Chor den Text nicht mehr kann und Steiner eine Strophe wiederholen lässt. Und „This Is The Beginning“ endet in einem lärmenden Crescendo, das glücklich macht. Bestimmt auch Kolja, der bei der Fragen-Sie-Ihr-Lieblings-Popduo-Fragerunde wissen wollte, ob die Musikerinnen Stiel- oder Tellerwarzen haben. Selbst eine selten dämliche Frage kann von einer noch dämlicheren Frage übertroffen werden.

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