Per Kirkeby stellt Radierungen und Drucke  im Schloss Wilhelmshöhe aus

Grafik: Per Kirkeby, Ohne Titel, 1978, Kaltnadelradierung, Silkeborg, Museum Jorn. Foto: mak

Kassel. „Es ist ein Wagnis in die Heiligkeit der documenta mit einer Ausstellung einzudringen“, sagte Museumsdirektor Bernd Küster während der am Donnerstag eröffneten Ausstellung von Per Kirkeby.

Sie trägt den Titel „Neuland“ und zeigt 150 grafische Werke des dänischen Künstlers im museum Schloss Wilhelmshöhe. Dieser verdanke seiner Weltkarriere auch der documenta, fügte Küster an.

Kirkeby wurde in Kassel mit seinen Bildern und Skulpturen für die documenta bekannt, eine Werkschau mit Grafiken ist eine Besonderheit. Der 73-Jährige, der vor ein paar Jahren eine Hirnblutung erlitt, war während der Presseschau anwesend, hielt sich aber im Hintergrund.

Konzipiert wurde die Schau von Kuratorin Christiane Lukatis. Eine Besonderheit ist dabei, dass sie in wochenlanger Arbeit die verschiedenen Werkprozesse von Kirkebys Drucken rekonstruierte. Lange hatte sich der Däne gegen solch eine Aufarbeit gewehrt.

Die Ausstellung stellt die Beziehung von Kirkebys Kunst zur Geologie dar. Der Künstler überarbeitete seine Druckplatte für gewöhnlich mehrmals. Wie ein Geologe arbeitete sich der Betrachter durch die Schichten der Grafiken. Den Reiz der Werke macht gerade dieser oftmals jahrelange Schaffensprozess aus. So ließ Kirkeby Druckplatten manchmal zehn Jahre ruhen.

Die Werke sind ansprechend präsentiert. Allerdings kostete es den Betrachter einige Mühen, sich in die Bilder des Dänen hineinzusehen. Doch sind Ausstellungen mit solch einer Anzahl von Kaltnadelradierungen selten zu sehen. Sie ist eine sehr feine, ansehnliche Technik.

Im Museum Schloss Wilhelmshöhe sind Reihen zu sehen, die den Werkprozess dokumentieren. „Die Veränderung, die Metamorphose ist ein wichtiger Bestandteil bei Kirkeby“, sagte die Kuratorin.

Die kleinformatigen Arbeiten schuf der Däne meist für sich selbst, so existieren häufig nur zwei oder drei Abzüge. Im Hintergrund sind zarte Linien zu sehen, während im Vordergrund klare Strukturen dominieren.

Ein zweiter Schwerpunkt von „Neuland“ liegt auf radierten Reiseskizzen. Kirkeby unternahm mehrere Expeditionen nach Grönland. Dort fertigte er in Tradition der zeichnenden Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts Radierungen in der freien Natur an. In seinem Rucksack nahm der Maler, Bildhauer und Schriftsteller Zinkplatten für seine Radierungen mit auf die Reise.

Er arbeitet oft beidseitig auf den Platten. „Das ist ein Wagnis, denn die die Motive nutzen sich beim Drucken schnell ab“, sagte Christiane Lukatis. Kirkeby fasste einige dieser Radierungen in einem „Feldbuch“ zusammen, das in der Ausstellung zu sehen ist.

Die Arbeiten sind weitestgehend ungegenständlich. „Doch sind seine Werke oft inhaltlich aufgeladener, als wir vermuteten“, berichtet Kunsthistorikerin Judith Claus von ihren Interviews mit dem Künstler.

Wiederkehrende Motive sind der Baum und der Deltakegel, eine Fächerform. Baum und Baumstümpfe sind in den Werken Kirkebys ein Ausdruck für den Kreislauf von Leben und Tod.

Auch persönliche Verweise finden sich in seinen Radierungen. Der Däne widmete den Zyklus „Vibeke“ (1995) mit 48 Blatt seiner Ex-Frau, der Filmproduzentin Vibeke Windeløv. Von ihr ließ er sich dazu inspirieren, Filmmotive in seinen Grafiken aufzugreifen. Auch brachte er ihre Gesichtszüge sowie ihren Namen in mehrere Bilder der Werkreihe ein.Ab Mitte der 80er-Jahre begann Per Kirkeby, großflächiger zu arbeiten. Auch diese Arbeiten sind in „Neuland“ zu sehen. So ist eine Monotypie (Ohne Titel, 2000) ausgestellt, die Kirkeby mehrmals überdruckte, da sie ihm anfangs nicht gefiel.

Per Kirkeby „Neuland“ ist bis zum 12. August von Di. bis So. 10-17 Uhr und Mi. bis 20 Uhr im Museum Schloss Wilhelmshöhe zu sehen, Eintritt sechs Euro, Tel. 0561/316 800, www.museum-kassel.de.

Von Claudia Schittelkopp

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