Neu im Kino: „Die Königin und der Leibarzt“ spielt in der Zeit der Aufklärung

Neu im Kino: Die Königin und der Leibarzt

Leidenschaft: Johann Friedrich Struensee (Mads Mikkelsen) küsst Königin Caroline Mathilde (Alicia Vikander). Foto: dapd

Gerade dreizehn Jahre alt war Caroline Mathilde, Schwester des englischen Königs George III., als sie mit ihrem Cousin Christian, dem künftigen dänisch-norwegischen König, verlobt wurde. Von Großbritannien macht sie sich 1766 auf nach Kopenhagen, um ihren Dienst als Königin anzutreten.

Aber als Caroline Mathilde (Alicia Vikander) aus der Kutsche aussteigt und dem dänischen Monarchen vorgestellt werden soll, versteckt sich der Zukünftige kichernd hinter einem Baum. König Christian VII. (Mikkel Følsgaard) ist schwer geisteskrank. „Zu viel Masturbation“, diagnostizieren die Ärzte und zucken mit den Achseln, während das Kabinett die Regierungsgeschäfte zu seinen Vorteilen lenkt.

Das ändert sich, als Christian den deutschen Mediziner Johann F. Struensee (Mads Mikkelsen) zu seinem Leibarzt ernennt, der schon bald das Vertrauen des Monarchen genießt. Aber Struensee ist nicht nur ein einfühlsamer Seelendoktor, sondern auch ein Anhänger der Aufklärung. Statt des machthungrigen Adels flüstert nun Struensee dem König die Gesetzesvorlagen ins Ohr, mit denen Waisenhäuser gegründet und Zensur und Folter abgeschafft werden. Unterstützung bekommt der königliche Berater dabei von Caroline Mathilde, die sich längst in den beherzten Humanisten verliebt hat.

Keine historischen Showeffekte

Basierend auf einer der interessantesten Episoden des dänischen Königshauses entwirft Nikolaj Arcel in „Die Königin und der Leibarzt“ ein Historiendrama, das politische und amouröse Aufbruchstimmungen schlüssig miteinander verflechtet. Sicherlich erfindet Arcel das Genre nicht neu, aber dennoch wirkt sein Kostümfilm keineswegs verstaubt. Die Kamera berauscht sich nicht am teuren Dekor, sondern bleibt auch in großen Ballszenen nah an den Figuren, konzentriert sich auf die wechselnden Emotionen und nicht auf die historischen Showeffekte.

Angestrengte Gegenwartsbezüge zur Modernisierung des Stoffes werden hier nicht gesucht, aber die Dreiecksgeschichte besteht auch ohne Aktualisierungen in ihrem historischen Kontext. Überzeugend auch die schauspielerischen Leistungen von Alicia Vikander als selbstbewusste Königsgattin und Mads Mikkelsen, der der Figur des aufklärerischen Reformers, der schon bald an die Grenzen seiner Ideale gerät, Kraft und Glaubwürdigkeit verleiht.

Genre: Historiendrama

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: 4 Sterne

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.