Martin Ellrodt eröffnete das Sparda-Erzählfestival mit freien Erzählungen

Einmal Olymp und zurück

Weite Spannungsbögen: Martin Ellrodt präsentierte sein Erzählprogramm „Zum Glück gibt’s das Glück“. Foto: Malmus

Kassel. Seit Menschengedenken werden in gemütlicher Runde überall auf der Welt Geschichten erzählt und von Generation zu Generation weitergetragen. Ebenfalls als feste Tradition darf mittlerweile das Sparda-Erzählfestival angesehen werden, das am Donnerstag zum 11. Mal in den Räumen der Sparda-Bank startete. Den Auftakt für die viertägige Veranstaltung, diesmal zum Thema „Glück“, machte Geschichtenerzähler Martin Ellrodt.

Ungezwungen entlockte Professor Heiner Boehncke, Vater des Erzählfestivals, dem Gast zu Beginn manche biografische Anekdote und stellte ihn so vor. Dabei erfuhr die Zuhörerschaft so einiges über die Kunst des freien Erzählens. Etwa dass die höchste Auszeichnung dieses Genres, die Goldene Spindel, in diesem Jahr an Martin Ellrodt ging. Dass die schönsten Orte zum Erzählen für ihn die Fußgängerzone und die Jurte – das Gemeinschaftszelt der Pfadfinder – sind, und dass er in vier Sprachen erzählen kann.

Dann gehörte die Bühne ganz dem Erzähler. „Zum Glück gibt’s das Glück“ lautet sein Titel für den Abend. Dass das Glück dabei ein dehnbarer Begriff ist, machte der Meister der Erzählkunst eindrucksvoll deutlich. Mit Erzählungen aus aller Welt stellt er Facetten des Glücks zur Debatte. Liegt das Glück auf dem Weg? Ist es die eigene Sichtweise auf Ereignisse? Oder ist Glück das knappe Vorbeirutschen am Pech?

Bei der Kunst des freien Erzählens geht es nicht so sehr um kunstvoll geflochtene Sätze und semantische Meisterstücke. Vielmehr geht es um die Lebendigkeit der Bilder, die Kunst des Erzählers, seinen Zuhörern das Geschehen erlebbar zu machen und die Grenzen von Raum und Zeit verschwimmen zu lassen.

Martin Ellrodt führt seine Zuhörer vom einen zum anderen Ende der Welt, von der Hölle zum Olymp und zurück in die Behausung einfacher Leute. Gekonnt erschafft der Erzähler einen Spannungsbogen zwischen poetisch, humorvoll und grotesk. Auch ohne knisterndes Kaminfeuer ließen sich die mehr als 250 Zuhörer in die äußersten Winkel der Erde entführen, um anschließend womöglich ein bisschen glücklicher nach Hause zu gehen.

Von Kirsten Ammermüller

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