Im Wortreich: Einmal selbst Beleuchter sein

Mitmach-Ausstellung zur Geschichte der Hersfelder Festspiele

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Mitmachen: Auf der Bühne kann gespielt werden, per Texttafeln gibt einer als Regisseur Anweisungen. Foto:  Polier

Bad Hersfeld. Theater, das sind Gänsehautmomente, das ist aber auch harte Arbeit hinter den Kulissen und auf der Bühne. Eine Sonderausstellung im Erlebnismuseum Wortreich zeigt die 64-jährige Geschichte der Bad Hersfelder Festspiele und macht den Zauber der Bühnenkunst spürbar.

Designerin Heike Volkert und Kulturwissenschaftler Eckart Büxel haben mit dem Team vom Wortreich die Schau „Großes Theater!“ zusammengestellt. Sie soll leicht verändert künftig als Dauerausstellung im Stiftsmuseum das Traditionsfestival erlebbar machen – auch jenseits der sommerlichen Festivalwochen. Aus diesen wurde ein wichtiger Stimmungsfaktor als Gestaltungselement aufgegriffen: der Sternenhimmel. Hunderte Lichtpunkte auf nachtblauem Grund blinken über den Köpfen der Besucher. Freiluftfeeling im Museum.

Rundbogenelemente zitieren die Architektur der größten romanischen Kirchenruine der Welt. In den Innenseiten sind kapitelweise Themen rund ums Festival dargestellt, auf den Außenseiten geht es um die Festspiele in ihrer Wechselwirkung mit der Stadt. Historische Fotos, Pläne, Plakate, Eintrittskarten, Requisiten und Kostüme machen die Festspielgeschichte zusätzlich anschaulich. Hier wird erklärt, dass man früher auf Gartenstühlen gesessen hat, und dass Klatschen verboten war - man befindet sich schließlich in einer Kirche. Wer durch die Rundbögen schaut, erblickt riesige Fotos von spektakulären Inszenierungen, von der Ruine als Theaterbühne. Da strahlt eine metergroße Sonne aus der Apsis - Rückblick auf „Faust“.

Besucher können sich beim Besuch an eigene Gänsehautmomente der Festspielzeit erinnern. Zum Beispiel wenn sie vor dem Motorrad stehen, mit dem in „Rocky Horror Show“ Eddy aus der Eiskammer fuhr, oder wenn sie sich mit dem grünen Kleid fotografieren, das Sophie Berner im Musical „Showboat“ trug.

Leicht zu übersehen ist ein Original-Probenplan an der Wand: Wer muss wann in der Maske sein, wie läuft so ein Arbeitstag ab? Theaterleute haben das Exponat mittlerweile mit Klebezetteln ergänzt, da werden etwa Kneipenbesuche verabredet. Festspielguerilla. Typisch Wortreich sind die Mitmachstationen: Im hinteren Ausstellungsbereich geht es hinter die Theaterkulissen. Da kann ein Sprechtraining gemacht werden – man kann unter Anleitung Konsonanten zum Klingen bringen mit der Ballade vom „Erlkönig“. Es gibt eine kleine Bühne, auf der man spielen kann, oder man schlüpft lieber in die Rolle des Regisseurs, der den Akteuren dort über Texttafeln Anweisungen gibt: lebendiger, lispelnd, gelangweilt. An einem Ruinenmodell kann experimentiert werden, wie Lichtstimmungen entstehen.

Die Idee ist, dass Kinder sich sprechend und spielend ausprobieren, während die Eltern sich Bilder der Größen aus der deutschen Film- und Theaterwelt anschauen, die in Bad Hersfeld auf der Bühne standen: Von Helmut Lohner bis Witta Pohl, von Birgit Nilsson bis Will Quadflieg, von Volker Lechtenbrink bis Mario Adorf. (fra)

Bis 30. August, Museum Wortreich, Benno-Schilde-Platz 1, Bad Hersfeld.

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