Eine Wechselausstellung im Louis-Spohr-Museum beleuchtet das soziale Engagement des Komponisten

Einsatz auch für faule Schüler

Vor einem Porträt des Spohr-Schülers August Kömpel: Die Museumspädagoginnen Ulrike Städtler (links) und Ulrike Ortwein. Foto:  Koch

Kassel. Begabt, aber faul. Was tun mit einem solchen Schüler? Der Kasseler Komponist und Geigenstar Louis Spohr hatte als Violinlehrer einen exzellenten Ruf. Doch als er sich gesundheitlich einschränken musste, gab er seine Zöglinge ab. Auch Hugo Dilcher, der sich offenbar nicht mit fleißigem Üben hervorgetan hatte. Trotzdem ließ Spohr in seiner Fürsorge nicht nach und schrieb in seinem Empfehlungsbrief: „... dass er mehrere Jahre im Violinspiel mein Schüler war und stets darin viel Begabung zeige, dass er aber nicht die Ausdauer im Fluss zeigte, wie sich sie gewünscht hatte“.

Fundstücke wie dieser Brief sind in der Wechselausstellung im Spohr-Museum im Südflügel des Kulturbahnhofs zu sehen. Thema der Schau ist Spohrs soziales Engagement in Kassel. Da geht es um seine Schüler, die er zum Teil kostenlos unterrichtet hat.

Im Mittelpunkt steht August Kömpel, ein junger Mann, dessen feine Gesichtszüge in einem Gemälde von Spohr-Gefährtin Caroline von der Malsburg porträtiert worden sind. Das Werk ist in der Raummitte platziert, eine Leihgabe der Museumslandschaft Hessen Kassel. Lang wurde der Knabe für Spohr gehalten, so Museumsleiter Dr. Karl Traugott Goldbach, bis man sich das Notenblatt im Hintergrund genau angeschaut hat: Der Junge spielt ein Werk von Louis Spohr (1784-1859).

Kömpel kommt zu ihm durch die Förderung des Katlenburger Amtsrats Christian Friedrich Lüder, der den jungen Mann mit Geld unterstützt und nach Kassel schickt, Spohr unterrichtet ihn kostenlos. Kömpel macht prompt Karriere, kann vom Musizieren leben.

Der zweite Teil der Ausstellung beleuchtet Spohrs soziales Wirken für seine Orchestermitglieder. Als Angestellte des Hofes musizierten sie hauptsächlich bei Opernaufführungen. Doch etwa einmal im Monat konnte man die Musiker in Abonnementskonzerten erleben. Die Einnahmen hieraus wurden nach Abzug der Kosten in einen Fonds eingezahlt. Daraus baute Spohr eine Pensionskasse auf.

Die Schau zeigt Programmblätter, etwa die Ankündigung eines Konzerts „im Saale der Witwe Hanusch“ im Dezember 1850, „Anfang präzis halb sieben Uhr“. Dort wurde ausnahmsweise öffentlich Kammermusik gespielt, jene Musik, die sonst den privaten Salons vorbehalten war, so Goldbach.

Eine Einnahmenrechnung vermerkt auch August Kömpel als Konzertsolist, der nur acht Taler (Freundschafts-)Honorar erhielt, bei 58 Talern Einnahmen durch Kartenverkauf. Als zwei Monate später Pianistin Clara Schumann auftrat, bekam sie stolze 85 Taler.

Von Bettina Fraschke

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