"Langweiligstes Konzert des Jahres"

Songwriterin Cat Power im Kulturzelt Kassel zum Einschlafen

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Große Songs und große Formschwankungen: Musikerin Chan Marshall alias Cat Power im Kasseler Kulturzelt.

Kassel. Der Auftritt von Chan Marshall alias Cat Power sollte ein Höhepunkt der Jubiläums-Saison im Kasseler Kulturzelt werden. Stattdessen gingen viele Besucher lange vor dem Ende.

Die gute Nachricht ist, dass Chan Marshall alias Cat Power ihren Auftritt im Kasseler Kulturzelt nicht abgebrochen hat. Die US-Singer/Songwriterin ist berühmt und berüchtigt für derartige Eskapaden. Die schlechte Nachricht ist, dass sie es vielleicht doch hätte tun sollen.

So dachten jedenfalls einige der gar nicht so wenigen Besucher, die den fast ausverkauften Zeltbau vorzeitig verlassen hatten. Eine Frau gestand ihrem Mann beim Hinausgehen, sie sei beinahe eingeschlafen. Ihr Partner sagte: „Ich bin mal gespannt, was die HNA darüber schreibt.“

Was soll man also schreiben über eine Künstlerin, die man verehrt für so wunderbare Songperlen wie „The Greatest“ und „Sea Of Love“? Der weder der Regisseur Wong Kar-Wai widerstehen konnte, der sie in seinem Film „My Blueberry Nights“ mitspielen ließ, noch Modezar Karl Lagerfeld, der sie nach Paris einlud?

Marshall sieht nun anders aus als auf ihrer letzten Tour, auf der sie nach Alkoholeskapaden, einer rätselhaften Erkrankung, finanziellen Problemen und Trennung den radikalen Schnitt machte, wieder rockiger wurde und mit Blondschopf auftrat. Mit langen braunen Haaren tritt sie solo an die Gitarre, spielt drei minimalistische Lieder, ehe sie sich an den Flügel setzt.

Die 44-Jährige kann auch ohne Band überzeugen. Das bewies sie zuletzt beim Auftritt in Köln, nach dem ein Blogger jubelte, das sei das „berührendste Konzert des Jahres“ gewesen. Im Kulturzelt liefert sie das langweiligste Konzert des Jahres ab.

Ihre Stimme ist immer noch eine Sensation. Sie ist dunkel, kraftvoll und melancholisch zugleich. Keine andere Indie-Ikone hat so viel Soul wie Cat Power, deren aktuelles Album „Sun“ heißt, aber nach Regen klingt. Ihren einen Mega-Hit „The Greatest“ dekonstruiert sie am Flügel, sodass man ihn erst gar nicht erkennt. Den anderen, „Ruin“, spielt sie gar nicht. Manchmal heult Marshall wie ein Tier. Zwischendurch hustet sie und sagt „sorry“, mehr aber auch nicht.

Nicht einmal richtig klatschen kann das Publikum, weil ein Song in den anderen übergeht, als sei das hier ein Medley-Abend. Das alles muss aber nichts heißen. Cat Powers nächstes Album wird sicher wieder großartig.

Kulturzelt Freitag (19.30 Uhr): Keb’ Mo’. Restkarten an der Abendkasse.

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