John McLaughlin & The 4th Dimension spielten im Kulturzelt ein begeisterndes Jazzrock-Konzert

Einzigartiger Meister der Gitarre

Beeindruckend: Gitarrist John McLaughlin beim Auftritt im Kasseler Kulturzelt. Foto: Fischer

KASSEL. Die Haare glänzen inzwischen silbergrau, sind dafür aber deutlich länger als 1971. Die imposante Doppelhalsgitarre ist einem Standardmodell gewichen. Geblieben sind Vitalität gepaart mit Eleganz, unnachahmliche Hochgeschwindigkeitsläufe, komplexe Kompositionen, indische Klangfarben, ungerade Taktarten und verschachtelte Gegenrhythmen. John McLaughlin, der mittlerweile 74-jährige britische Wundergitarrist und Pionier des Jazzrock und der Fusion Music, gastierte am Freitagabend mit seinem Quartett The 4th Dimension im bestens besuchten Kasseler Kulturzelt.

Bevor der erste Ton erklang, stellte McLaughlin in nicht perfektem, aber amüsantem Deutsch seine international besetzte All-Star-Band vor: Er selbst und Keyboarder/Perkussionist Gary Husband kommen „aus Brexit“, also England. Bassist Étienne M’Bappé stammt aus Kamerun und Drummer Ranjit Barot ist Inder. Letzterer wirkt auch als Komponist und Sänger, was bei den ersten Stücken und in einem ausgedehnten und fulminanten musikalischen Dialog mit Husband hervorstach: Vocal Percussion, also klangimitierende Silben und Worte, wurden perkussiv nachgespielt. Nicht weniger beeindruckend die ultraschnellen, mehrtaktigen Unisono-Passagen aller vier Musiker mit überraschenden Akzentverschiebungen, die typisch für McLaughlin, aber kaum spielbar für Normalsterbliche sind. Es gab aber auch viele ruhige Momente mit lang gezogenen, fast Santana-ähnlichen Tonfolgen und auch ein Gitarre-Keyboard-Duett. „El Hombre Que Sabía“ wurde dem verstorbenen ehemaligen Mitmusiker Paco de Lucia gewidmet.

Nach zwei Stunden einzigartiger Musikqualität erklatschte sich das durchweg begeisterte Publikum noch eine Zugabe: „You Know, You Know“ vom Meilenstein-Album „The Inner Mounting Flame“ des Mahavishnu Orchestra.

Von Wolfgang Wollek

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