Eisbombe gegen Frauenklischees

Neue Frauenzeitschrift "Barbara" im Schnellcheck

Strahlender Star des Hefts: „Barbara“-Cover mit Barbara Schöneberger. Foto: nh

Ein neues Magazin soll für den Lebensstil Barbara Schönebergers stehen.

Selbstironisch, mit mittelgroßem Schnoddrigkeits-Faktor, authentisch und mit dieser augenzwinkernden Haltung: Mädels, wir wissen doch, wie es wirklich ist. So präsentiert sich Fernseh-Phänomen Barbara Schöneberger und hat damit eine riesige Fanschar erobert. Genau dieses Image soll jetzt auf eine neue Frauenzeitschrift aus dem Haus Gruner + Jahr transferiert werden, die ab sofort an den Kiosken liegt: Bei „Barbara“ ist die 41-Jährige Chefreporterin, arbeitet in der Redaktion mit und ist auf Fotos allgegenwärtig.

„Kein normales Frauenmagazin“ steht auf dem Titel, es sei „ohne Diät, Workout und To-Do-Listen“. Wie positioniert sich das Heft, das monatlich erscheinen soll?

Die Ansprache: „Sie können mich sogar auf Ihren Küchentisch legen“, sagt Schöneberger im Editorial witzelnd. Ihr verbaler Stil ist überall rauslesbar. Nicht nur mit norddeutschen Begriffen wie „Schnappes“ und „luschern“ (hineinspähen), auch mit Notizen, die auf die Seiten gekritzelt scheinen. Daraus entsteht ein Empfehlungscharakter von Accessoires bis Buch („Aufregend zu Beginn. Auf Dauer: aua“). Diese persönlichen Einordnungen greifen den Internet-Trend auf, dem Rat von Youtubern zu folgen oder dem Amazon-Algorithmus „wer dies mag, mag auch das“. Übersichtlichkeit schaffen mit einer Frau, der die etwa gleichalten Zielgruppen-Frauen vertrauen. Das könnte ein Coup werden. Fazit: gut.

Die Artikel: Absolut hochwertig. Hier steckt seriöser Journalismus drin - anders als in anderen Magazinen. Die großen Texte über Menschen, die trauern, Mütterbetreuung in Peking oder hohe Selbstansprüche, sind ebenso sorgfältig bearbeitet wie die kurzen Tipps und Bildtexte. Fazit: sehr gut.

Die Optik: Ebenso anspruchsvoll. Die Modestrecke im Weltraum-Look mit einer Frau als Model, die sich für eine Marsmission beworben hat, ist toll fotografiert, Höhepunkt ist die Bildreportage, die heftige Entgleisungen bei Junggesellinnen-Abschieden in England zeigt. Das Layout ist anspruchsvoll-schick, aber übersichtlich, das Papier angenehm dick. Fazit: sehr gut.

Das Gleiche: Bei Lichte besehen ist in dem nicht normalen Frauenmagazin doch einiges genreüblich-normal. Erotikthemen von mäßiger Originalität („Sexualität darf nicht vom Leistungsdenken beherrscht sein“), Schicksale, Lebenshilfe, Rezepte, Neuheiten auf dem Lippenstiftmarkt: Hier wird das Genre nicht neu erfunden. Stattdessen soll die Barbara-mäßige andere Aufbereitung im Zentrum stehen. Fazit: mittel.

Das Andere: Diese besondere Ansprache macht an vielen Magazin-Stellen Freude in ihrer Lässigkeit und bewussten Abkehr vom allgegenwärtigen weiblichen Optimierungsstreben. Wenn dies auch manchmal arg ausgestellt wird. Bisweilen wird die Originalität überstrapaziert, wenn etwa neben der Lebenshilfe einer Paartherapeutin „Tipps“ von Biene Willi und Wladimir Putin stehen. Ärgerlich wird es, wenn die Vereinnahmung zu stark wird, wenn „Barbara“ sich zu sehr herausnimmt, zu wissen, wie die Leserin tickt. Etwa dass man sich beim Kochen „endlich an das rantraut, was sonst nur Muttern auf den Tisch bringt“. Geht gar nicht. Dass Schweinebraten, Rouladen, Bisquitrolle und Eisbombe die stilprägenden Heftrezepte sind, ist dann aber durchaus cool. Fazit: mäßig.

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