Neu im Kino: Die fulminante französische Sommerkomödie „Der Vorname“

Eklat beim Aperitif

Auf dem Bild wirkt die Stimmung noch fröhlich: Das gut gelaunte Ensemble, das sich beim abendlichen Treffen im Freundeskreis gleich in die Haare kriegen wird. Foto:  Verleih

Er hat uns das Elsass und Lothringen weggenommen. Er wird uns nicht noch unsere Vornamen wegnehmen“, argumentiert Vincent (Patrick Bruel) und besteht darauf, dass sein zukünftiger Sohn auf den Namen Adolphe getauft werden soll.

Schwager Pierre (Charles Berling), Schwester Babou (Valérie Benguigui) und Freund Claude (Guillaume de Tonquédec) sind entsetzt, und das gemütliche Abendessen zu viert ist schon mit dem Aperitif im Eklat gelandet. In der hitzigen Diskussion über Faschismus, Pietät und Namensgebung offenbaren sich schon zu Beginn von Matthieu Delaportes und Alexandre de la Patellières Filmkomödie „Der Vorname“ die eingespielten Beziehungsstrukturen.

Die vier kennen sich schon seit Kindertagen und die Rollen sind fest verteilt. Immobilienmakler Vincent spielt den Provokateur, der Literaturprofessor Pierre überzeugt durch linksliberale Prinzipientreue, Babou versucht halbherzig, zwischen den Streithähnen zu vermitteln und ihr bester Freund Claude hält sich wie immer raus aus allen Konfliktsituationen. Schon sehr bald geht es hier nicht mehr um die bizarre Namensgebung, sondern um aufgestaute Frustrationen, gut gehütete Geheimnisse und den Umgang mit den eigenen Stereotypisierungen innerhalb der Freundschafts-Familienbande.

Ihr energiegeladenes Kinokammerspiel „Der Vorname“ haben Delaporte und Patellière nach ihrem eigenen erfolgreichen Theaterstück entwickelt. Genussvoll werden hier vermeintlich vertraute Beziehungen aus ihrer freundschaftlichen Routine heraus- katapultiert und mit immer neuen Offenbarungen konfrontiert.

„Der Vorname“ ist ein Seelenverwandter von Roman Polanskis „Gott des Gemetzels“, ohne jedoch an dessen bitterböse analytische Schärfe heranreichen zu können. Der Film pendelt recht unangestrengt zwischen intellektuellem Psychodrama und Boulevardkomödie. In dieser sehr französischen Melange werden politische Diskurse, private Animositäten, Kindheitserinnerungen, Geschlechterkampfdebatten und populistische Humorelemente dicht nebeneinander verlegt - und das bleibt dank einer dynamischen Erzählstruktur bis zum Schluss spannend.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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