Bayreuther Festspiele: Die Kinderoper „Tannhäuser“

Eklat im Internat

Ein Außenseiter: Tannhäuser (Jeffrey Dowd) flieht vor seinen Internatsmitschülern. Foto: dpa

Bayreuth. Tannhäuser ist der Außenseiter. Während die anderen Internatsschüler eine Kissenschlacht veranstalten, komponiert er an seinem Lied. Keiner versteht ihn. Warum nicht einfach abhauen? Und schon trifft er die schrille Skateboard-Lady Venus („Hey, Tanni!“), die ihn in ihre bunte, von Riesenspinnen bevölkerte Zauberwelt lockt.

So beginnt in Bayreuth die Kinderoper „Tannhäuser“ - das ambitionierte neue Projekt von Co-Festspielleiterin Katharina Wagner. 200 Kinder samt Müttern oder Vätern auf der Probenbühne lassen sich von den gestandenen Wagner-Sängern Jeffrey Dowd (Tannhäuser) und Alexandra Petersamer (Venus) hineinziehen in eine Geschichte um Freundschaft und schulische Zwänge, die der Schulleiter Landgraf (der Kasseler Bassist Mario Klein) verkörpert.

Wolfram von Eschenbach (Marek Reichert) ist in die hübsche Elisabeth (Sonja Mühleck) verliebt, doch die hat nur Augen für Tannhäuser - und kann ihn zur Rückkehr bewegen. Beim schulischen Song-Contest kommt’s zum Eklat.

Seine unflätige Venusstory zeigt Elisabeth, dass sie nur Tannhäusers „zweitbeste Freundin“ ist. Tannhäuser wird zur Besserung ins Ausland geschickt - nach Rom.

Anders als bei Wagner finden sich die Freunde jedoch wieder. Das Bühnentor öffnet sich. Die freie Natur lockt - und mittendrin ein rosa Flamingo.

Regisseurin Reyna Bruns hat viele Mitspielmöglichkeiten eingebaut, und Schüler der Berliner Nelson-Mandela-Schule haben die Kostüme entworfen. Dennoch hat das von Alexander auf 75 Minuten verdichtete Stück seine kritischen Punkte - immer dann, wenn Wagners Originalmusik einsetzt (live begleitet vom Brandenburgischen Staatsorchester mit Hartmut Keil). Zu groß ist der Sprung von der kindgerechten gesprochenen Sprache zu Wagners gesungenen Texten. Bei Elisabeths Hallenarie („Dich, teure Halle, grüß’ ich wieder“) steigt schon die Unruhe, und bei Tannhäusers „Romerzählung“ wird es der fünfjährigen Nadine zu viel: „Mama, ich halt mir die Ohren zu.“

Ob das Konzept, Kindern Wagners Musik so nebenbei einzuflößen, wirklich trägt - daran darf man zweifeln. Am Ende klatschen und trampeln trotzdem alle wie verrückt: Die Mütter, weil’s ihnen gefallen hat. Die Kinder, weil Trampeln Spaß macht.

Die Kinderoper-Veranstaltungen sind ausverkauft. Beim Public Viewing am 21. August auf dem Bayreuther Festplatz wird die Kinderoper um 11.30 Uhr gezeigt.

Von Werner Fritsch

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