Junger Jazz aus Kassel beim schönen Doppelkonzert im Theaterstübchen

Mit eleganter Logik

Experimentierfreudig: (von links) Bassistin Judith Krischke, Schlagzeuger Karl Degenhardt und Sängerin Jil Christin Klier. Foto: Fischer

Kassel. Worin liegt eines der Geheimnisse guter Jazzpianistik? Man setzt nicht auf floskelhaftes Tastenflitzen, sondern baut die Linienspiele der rechten Hand mit eleganter Logik auf.

Weit in dieser Kunst hat es der Mainzer Pianist Manuel Seng gebracht, der am Dienstag eine Entdeckung beim Doppelkonzert im gut gefüllten Theaterstübchen war. Seng gastierte dort mit dem Kontrabassisten Maurice Kühn und dem Kasseler Schlagzeuger Max Jentzen - alle drei sehr reif spielende junge Musiker. Stilistisch unterschiedliche Eigenkompositionen vom Schönklang mit einfachen Akkorden bis zu anspruchsvollen Gebilden stellte das Trio vor.

Einprägsam das Stück „Iss Björn!“ von Max Jentzen mit einem finsteren Bassthema und einem treibenden Ostinato-Teil. Eine schöne Hommage an Esbjörn Svensson.

Die zweite, ebenfalls freudig beklatschte Band war das „Kliertett“ um die Kasseler Sängerin Jil Christin Klier. Ihre Mitmusiker Maximilian Mäckel (Klavier), Judith Krischke (Kontrabass) und Karl Degenhardt (Schlagzeug) haben als Trio Blue Break vor zwei Jahren den Kasseler Kunstpreis erhalten.

Diesmal ging es darum, Popsongs zu verjazzen, sodass es auch ein Wiederhören mit Lenas „Satellite“ gab. Jil Christin Klier überzeugte vor allem durch eine prägnante dunkle Stimme, ihre ruhige Melancholie passte gut zu einem Song wie Sades „Smooth Operator“. Intonatorisch war aber hier und da noch Luft nach oben. Die von ihnen bekannte Experimentierfreude steuerten die Instrumentalisten bei - ein Schlagzeugsolo etwa brachte in Stings „Englishman in New York“ einen Hauch von Dekonstruktion. So muss man es loben, dass trotz der Programmatik kein glatter Popjazz angesagt war.

Von Georg Pepl

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