Unsterblicher Hüftschwung

Elvis Presley wäre heute 80 Jahre alt geworden

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Der King im weißen Dress: Der Musiker Elvis Presley bei einem Auftritt in Las Vegas - das Archivbild ist leider undatiert.

Größer war in der Popkultur wohl keiner, einflussreicher auch nicht: Vor 80 Jahren wurde der King of Rock ’n’ Roll geboren - Elvis Presley. Wir feiern den Star.

Unsere Redakteure über den King:
Meine Mutter hatte ein gelbes Kleid mit schwarzen Punkten, elegant, eng tailliert und mit weit ausgestelltem Rock. Darin muss sie wohl zu Elvis-Songs getanzt haben. Ihr schmachtender King war einer mit Schmalzlocke und sexy Hüftschwung. Ich lernte Elvis in den 70ern anders kennen: aufgedunsen und mit dicken Schweißperlen auf der Stirn, wenn er sang. Aber wenn ich die Augen schloss bei „In The Ghetto“, dann versank ich in dieser soulig-warmen Stimme. Eng umschlungen tanzten wir alle in der Disco zu diesem Song. Später schenkte mir meine Mutter dieses 50er-Jahre-Kleid, das ich leider nicht mehr besitze. Aber dieses Lied „In The Ghetto“ könnte ich heute noch Wort für Wort mitsingen. Danke, Elvis!

Beate Eder (58)

Meine ernsthafte musikalische Sozialisation begann mit den Beatles, Elvis blieb mir immer fremd. Schon als Kind wunderte ich mich, wie maßlos sein Tod betrauert wurde. Dass er in den braven 50ern ein Sexsymbol gewesen war, erschloss sich mir erst später. Nachvollziehen konnte ich es nicht. Zu schmalzig-schmierig fand ich ihn, der dann so schrecklich aufgeschwemmt war, seine Tolle und Anzüge albern. Dass eine Kollegin an ihrer Hochzeit einem Elvis-Imitator zujubelte, ließ mich eher die Stirn runzeln. Das wunderbare „Can’t Help Falling In Love“ kannte ich in großartigeren Versionen. Aber dann nahm ich wahr, dass es „Suspicious Minds“ gibt. Diesen einen Song, entstanden in meinem Geburtsjahr 1968, der alles rausreißt. So schön, dass einem die Tränen kommen können. Mein stärkstes Argument für Elvis Presley. Und mein einziges.

Mark-Christian von Busse (46)

Mein erster Elvis war Shakin’ Stevens. Im Alter von neun Jahren übte ich Fever-haft seinen Hüftschwung zu „Green Door“ und „Oh Julie“. Schnell lernte ich, dass es einen weitaus größeren Shaky gibt. Den einen, den wahren, den Big Boss Man: Elvis Presley. Fortan war nichts mehr so, wie es mal war. Ohne Zweifel wäre ich, hätte ich diese unverwechselbare Stimme, Elvis-Imitator geworden. So reichte es immerhin dazu, bei einer dahingezauberten Karaoke-Version von „Can’t Help Falling In Love“ in einem Heartbreak Hotel meine spätere Frau kennenzulernen. „Love Me Tender“ ist in meinen, „Love Me True“ in ihren Ehering graviert. Und seitdem ich den King als Tattookunst auf meinem Rücken trage, bin ich auch ohne Gattin nie mehr lonesome tonight. Ich gestehe: I believe in the man in the sky.

Jens Nähler, 41

Als kleines Mädchen lernte ich von Elvis, was erotische Anziehungskraft ist. Und zwar, weil meine Mutter immer so komisch reagierte, wenn ein Elvis-Song im Radio lief. Besonders bei „In The Ghetto“ war sie auf eine Art aufgewühlt, wie ich als Kind sie sonst nicht kannte. Sein Verdienst, sich als einer der ersten Weißen der von mir geschätzten schwarzen Musik zu widmen, habe ich erst später realisiert.

Bettina Fraschke (46)

Nicht der Elvis mit Tolle und Hüftschwung hat mich in erster Linie beeindruckt. Obwohl: Elvis als Sonnyboy mit Blumenkette im Musikfilm „Südsee-Paradies“, umringt von exotischen Schönheiten, das hatte was. Die einmalige musikalische Klasse von Elvis bündelt sich aber auch für mich in dem Titel „In The Ghetto“. Wie beiläufig beginnt der Song über das kurze Leben eines Ghettokinds. Fast mehr geraunt als gesungen. Doch da ist dieser feste Kern in der Stimme, ein Vibrieren, das die emotionale Beteiligung anzeigt und gleichzeitig verbirgt. Echte Coolness ist eben das Gegenteil von Kälte.

Werner Fritsch (58)

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