Heidi de Vries las im Theaterstübchen Briefe an die documenta

Empörung bis Liebe

Fand lauter Post an die documenta im Abfall: Heidi de Vries spielte Ekaterina Sisiphos, Putzfrau im documenta-Archiv. Foto: Esterer

Kassel. Eben hat Ekaterina Sisiphos den Dienst als Reinigungskraft im documenta-Archiv beendet, sie trägt noch eine geblümte Kittelschürze. Am Revers der Griechin: eine Erdbeere als Erinnerung an Carolyn Christov-Bakargiev, weil die Leiterin der documenta 13 der Putzhilfe insofern imponierte, als sie tönte, Erdbeeren Wahlrecht geben zu wollen.

In der Rolle als Ekaterina Sisiphos präsentierte Heidi de Vries am Sonntag mit viel Humor im rappelvollen Theaterstübchen originale Briefe der Empörung an die documenta. Zudem zitierte die Schauspielerin Zeitungsartikel über die Aufregung im Umfeld der Weltkunstausstellung. Etliche Kommentare fand die Schauspielerin, die lange zum Ensemble des Staatstheaters gehörte, zum „5600 Cubicmeter Package“ von Christo, kurz „Wurst“ genannt, das sich, obwohl mit Helium gefüllt, 1968 zunächst einfach nicht aufrichten wollte.

Herr Bode hätte das sehr gut gemacht, damals hätten sich nicht viele ereifert. Das habe sich mit der documenta 5 geändert, hieß es dann 1972. In einem Schreiben heißt es: „80 Mark Reisekosten - im Puff hätte ich mehr Freude gehabt.“

Harald Szeemanns Abteilung „Bildnerei der Geisteskranken“ war Anlass für wütende Briefe, es wurde gefordert, „die Ausstellung zu schließen oder zu säubern“. Viel Lärm gab es 1977 um das „Loch“, den „Vertikalen Erdkilometer“ von Walter de Maria bei der documenta 6. „Ich protestiere gegen solche Eingriffe, die der Erde immer schon geschadet haben“, schrieb jemand entrüstet.

Beuys’ Basaltsteine zur documenta 7 wurden „Rattenburg“ genannt. Eine deutliche Wandlung, sagte Heidi de Vries, habe 1992 mit der documenta 9 eingesetzt, als die Kasseler ihren „Himmelsstürmer“ bekamen. Erst dann hätten die Bürger begonnen, die documenta zu lieben. Es war interessant, zum Teil erschreckend, den Reaktionen über 60 Jahre documenta zu folgen. Viel Applaus.

Von Gesa Esterer

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