Der US-Sänger Conor Oberst entdeckt mit seiner Band Bright Eyes die gute Laune

Das Ende eines Wunderkinds

Gründete schon als 13-Jähriger eine Plattenfirma: Sänger Conor Oberst (31) von der Band Bright Eyes. Foto: Universal

Als die kanadische Band Arcade Fire zuletzt einen Grammy für das beste Album des Jahres bekam, brandete im Internet ein Sturm der Entrüstung los. „Wer, verdammt, ist diese Band?“, fragten verzweifelte Musikfans, die nicht verstanden, warum eine Indie-Band, von der sie noch nie gehört hatten, Favoriten wie Lady Gaga und Eminem den Rang ablaufen konnte.

Ähnlich werden die Reaktionen mancher Leser von Jonathan Franzens Bestseller „Freiheit“ gewesen sein. Darin schildert der Autor den Besuch eines Konzerts der Band Bright Eyes. Der Protagonist urteilt über den Sänger Conor Oberst, er sei „ein junges Genie“.

Es sind derzeit gute Zeiten für Indie-Bands wie Arcade Fire und Bright Eyes, die seit Jahren unabhängig von der Plattenindustrie ihre Kunst machen und nun endlich im Mainstream-Bewusstsein ankommen. Im Fall von Conor Oberst und seinem Folkrock-Projekt aus Omaha in Nebraska wäre es beinahe zu spät gewesen. Das gerade erschienene siebte Album „The People’s Key“ soll angeblich das letzte sein. „Es ist Zeit für mich zu gehen“, singt der 31-Jährige gar in „Triple Spiral“.

Musik machen will Oberst weiterhin. Trotzdem wäre das Ende von Bright Eyes ein Verlust. Nicht nur für den Schriftsteller Franzen ist Oberst ein Genie. Der „Rolling Stone“ kürte ihn 2008 zum „Songwriter des Jahres“. Stars wie Bruce Springsteen und Neil Young arbeiten mit ihm zusammen.

Seitdem Oberst als 13-Jähriger das Label Lumberjack Records gründete, gilt er als Wunderkind. Daraus ging später die Plattenfirma Saddle Creek hervor, bei der gefeierte Künstler wie Azure Ray Platten veröffentlichten. Conor nahm als Bright Eyes mit den Multiinstrumentalisten Mike Mogis und Nate Walcott depressiven Folk auf, der zunächst nach schrammeligem Indierock klang und später in Richtung Country und Americana ging.

Die Traurigkeit ist auf „The People’s Key“ verflogen. Schon die Single „Shell Games“ ist eine leichte Powerpop-Hymne. Statt Country-Seligkeit gibt es nun vorwärtstreibenden College-Rock, Computer-Beats und eine schöne Klavierballade. „Ich bin immer noch wütend, ohne einen Grund zu haben“, heißt es in „Shell Games“.

Zuletzt hat Oberst, der in seiner Geburtsstadt Omaha und New York lebt, Science-Fiction-Bücher und New-Age-Texte gelesen. In den Songs geht es um Liebe, Erlösung, Adolf Hitler, Eva Braun und den äthiopischen Kaiser Haile Selassie. Die Jünger von Conor Oberst klammern sich nun vor allem an ein Interview, das der Musiker gerade gab. Auf die Frage, ob es wirklich das letzte Bright-Eyes-Album sei, sagte er: „Es könnte das letzte für eine Weile sein.“

Bright Eyes: The People’s Key (Polydor / Universal).

Wertung: !!!!:

Von Matthias Lohr

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