Am Ende ein Mensch - die Tatort-Kritik

Mit furioser Dramatik wurde der Zuschauer in den Anfangsminuten von „Die Heilige“ , dem jüngsten Fall der Münchner Ermittler Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), in die lebensfeindliche Atmosphäre einer Justizvollzugsanstalt katapultiert.

Der Gefangene Nic Schuster (Sascha A. Gersak) drückte seinem Mithäftling Charly (Heinz-Josef Braun) einen Schraubenzieher an die Kehle. Um rauszukommen, ist ihm jedes Mittel recht. Kurz nach der missglückten Geiselnahme wurde der labile Junkie tot in seiner Zelle aufgefunden. Doch letztlich starben hier alle Insassen ihren ganz persönlichen Tod auf Raten.

In der Figur der JVA-Beamtin Marie Hoflehner (Anneke Sarnau) wurde schnell klar, wer in dieser Spirale aus Hass und Gewalt die titelgebende Heilige ist. Hoflehner war die vermeintlich selbstlose Lichtgestalt, die den dubiosen Häftling Hassan (Medhi Nebbou) aus dem Knast befreit hat. Anneke Sarnau spielte bravourös eine Frau, die in ihrem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen von der Realität eingeholt wurde – und an ihr zerbrach.

Man tat sich schwer, die Protagonisten in Opfer und Täter zu klassifizieren. Denn diese Heilige, die eben doch nur ein Mensch war, wurde aufs Bitterste verraten. Hat sie am Ende nun gemordet oder gerichtet? Anneke Sarnau und Hassan-Darsteller Medhi Nebbou lieferten sich hier ein mitreißendes Psycho-Duell, das nur Verlierer kannte. (Regie: Jobst Christian Oetzmann/Buch: Friedrich Ani)

Von Kristin Dowe

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