Das Musical „Hair“ hatte in der Regie von Mark Zurmühle Premiere am Deutschen Theater in Göttingen

Am Ende kam der Sonnenschein

Hoffen auf eine bessere Welt: Vorn rechts Alois Reinhardt. Hinten (von links) Benjamin Krüger, Stefany Dreyer, Luis Rodriguez, Claudia Voigt, Michael Meichßner, Charlotte Irene Thompson, Justin F. Kennedy, Marie-Kristien Heger, Andreas Schneider, Anja Schreiber und Challenge Gumbodete. Foto: Winarsch

Göttingen. Freiheit ist nicht überall verwirklicht, der Krieg ist nicht abgeschafft, Rassen und Geschlechter haben nicht die gleichen Chancen. Und doch wirkt „Hair“, das 45-jährige Erfolgsmusical von Gerome Ragni und James Rado (Text) mit der Musik von Galt MacDermot aus dem Jahr 1967 heute ziemlich angestaubt.

Zwar ist die schmale Handlung vielschichtig. Die Hippies wollen den Wandel und leben ihn unter sich, doch als Claude (Andreas Schneider) in den Vietnam-Krieg einberufen wird, bröckelt die gute Stimmung. Die einen setzen weiterhin auf Drogen, die anderen auf den Aufstand. Doch daraus wird nichts. Claudes Haare fallen, er zieht in den Krieg und wird darin umkommen.

Und da wir in einem Musical sind, ist es die gute alte Liebe, die den roten Faden bietet und für ganz herkömmliche Verwirrungen sorgt. Jeanie (Marie-Kristien Heger) liebt Claude, Claude liebt Sheila (Stefany Dreyer), Sheila liebt Berger (Benjamin Krüger).

Mark Zurmühle, der Intendant des Deutschen Theaters in Göttingen, wagte den Göttinger Neuversuch und geizte nicht mit Aufwand. Die Pluspunkte: prächtige, bis ins Detail genaue „historische“ Flower-Power-Kostüme (Ilka Kops), eine vorzügliche Choreografie (Ayman Harper), die von allen einen gewaltigen Einsatz forderte, obwohl die kleine Bühne großräumiges Austanzen nicht zulässt, und eine brillante Band.

Die Bühne war kahl und trist. Hätte der Regisseur dem welt- und bewusstseinsverändernden Potenzial des Stücks noch getraut, hätte er Farben und üppige Traumszenen geschaffen. Doch der Raum war mehr ein Bunker als eine kreative Sphäre des Wandels. Ist Revolution (so) nicht mehr machbar?

Leider blieb die sängerische Leistung deutlich hinter der guten schauspielerischen und weit hinter dem Durchschnitt von Musical-Produktionen zurück. Lediglich in Nebenrollen (zum Beispiel bei Charlotte Irene Thompson als Dionne) blitzte hin und wieder Besonderes auf. Einen Extrapreis für authentische Darstellung erspielte sich Alois Reinhardt als Woof.

Am Ende dann die bekannte Ensemblenummer „Let the Sunshine in“, bei der das Publikum im ausverkauften Haus erstmals die Reserviert-heit aufgab und einen großen Schlussapplaus anschloss.

Wieder am 7. und 21. November sowie am 1. Dezember. Karten: Tel. 0551 49 69 11. www.dt-goettingen.de

Von Johannes Mundry

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