Irene Hierrezuelo-Osorio beschloss das Klavierfestival

Energie und Effekte

Niestetal. Es ist eine Großtat in Sachen klassischer Musik, denn wo sonst kann man Abend für Abend hochbegabte junge Pianisten bei freiem Eintritt erleben? Nun fand das 6. Internationale Niestetaler Klavierfestival sein temperamentvolles Finale. 160 Gäste hörten im evangelischen Gemeindehaus Sandershausen die Spanierin Irene Hierrezuelo-Osorio, die Ernstes und Effektvolles mischte und auch den exzentrischen Kapellmeister Kreisler vorbeischauen ließ.

Energie prägt das Spiel der in Weimar studierenden Pianistin in hohem Maße. Gleich zu bemerken in Bachs Präludium und Fuge c-Moll BWV 871, wobei die Vitalität im Präludium eine differenzierte Dynamik einschloss. Etwas unbekümmert, was die technische Perfektion betrifft, schien hingegen die Wiedergabe der großen Beethoven-Sonate op. 101. Gralshüter der Klassik dürften es zudem nicht gutheißen, dass nach Beethovens gedankenreichem Tiefgang eine Rachmaninow-Etüde dahergedonnert kam.

Einen mitreißenden Gruß aus ihrer andalusischen Heimat hatte Hierrezuelo-Osorio mit Manuel de Fallas Fantasía baética mitgebracht. Und im zweiten Konzertteil präsentierte sie Robert Schumanns erzromantischen Zyklus „Kreisleriana“. Ihr Spiel ließ eine Affinität zur nervösen Unruhe der schnellen Sätze erkennen, vermochte in den lyrischen Abschnitten mit schönen Details zu punkten, wenngleich insgesamt mehr Mut zur Langsamkeit vorstellbar gewesen wäre.

Viel Beifall bekam die Spanierin, die sich mit der toll gespielten Zugabe „Canción y danza“ des Katalanen Federico Mompou für den Applaus bedankte.

Heute gibt es im Gemeindehaus noch ein Sonderkonzert vor der Sommerpause. Am 12. August, 19.30 Uhr, startet die Sandershäuser Konzertreihe, wie das Klavierfestival ein wichtiger Bestandteil unseres Musiklebens, mit Byung-Hwa Yoon in die neue Saison.

Heute 19.30 Uhr: Lieder und Arien mit Olga Kondina (Sopran), Julia Kondina (Violine) und Noris Kondin (Klavier).

Von Georg Pepl

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