Energie und musikalische Feinkost: Klaus Doldinger im Kasseler Opernhaus

Ikone der deutschen Musikkultur: Klaus Doldinger in Kassel. Foto: Fischer

Kassel. Ute Lemper, Till Brönner, Edgar Knecht und jetzt Klaus Doldinger – die Zusammenarbeit von Theaterstübchen-Chef Markus Knierim und Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann beschert der Kasseler Musikszene bemerkenswerte Konzerte im Opernhaus. Eine Erfolgsgeschichte, die sich messen lässt anhand der verkauften Tickets und der Begeisterung des Publikums.

Auch der Auftritt von Doldinger sorgte für voll besetzte Sitzreihen und Euphorie. Kein Wunder, denn dieser Mann ist eine Lichtgestalt am deutschen Synkopenhimmel. Er hat die deutsche Jazzgeschichte um den Faktor Fusion erweitert und etlichen Fernsehserien und Filmen seinen musikalischen Stempel aufgedrückt. Was seine Kritiker als „kompositorische Belanglosigkeiten auf höchstem technischen Niveau“ bezeichnen, fasziniert bei einem Konzert mit wuchtiger Energie und instrumentaler Feinkost.

Die Dramaturgie des Abends hätte man nicht besser gestalten können. Doldinger hatte seine ehemaligen Weggefährten aus der Passport-Ära nach Kassel eingeladen, um den Opener mit ihnen und dem Songmaterial der ersten Bandjahre zu bestreiten. Dass man Arrangements wie „Yellow Dream“ oder „Morning Sun“ jederzeit aus dem Archiv abrufen kann, ist der Qualität der Protagonisten zu verdanken.

Unverwechselbar die fiebrige Rasanz des Plektrum-Bassisten Wolfgang Schmid, dass eruptive Schlagzeugspiel von Curt Cress und die distinguierte Spielphilosophie des Keyboarders Roberto Di Gioia. Doldingers Saxofonlinien wirkten dabei wie beständige Passatwinde, die unspektakulär, aber wohltuend die Klangräume durchlüfteten.

Nach der Pause setzte man ganz auf rhythmisches Dynamit. Jetzt wirbelten das Groove-Trio Ernst Stroer, Christian Lettner und Biboul Darouiche durch den perkussiv dominierten Sechzehner der harmonischen Wollust, und die Scales Brüder an Bass und Gitarre verwöhnten Keyboarder Michael Hornek und Meister Doldinger mit brillantem Passspiel. Die Freude am Geschehen war allen sichtlich anzumerken, was man auch der exzellenten Soundabmischung anrechnen konnte.

„Jadou“, „Schirokko“, das Thema von „Das Boot“ – mit europäischem Fusionjazz vom Feinsten versetzte man das Publikum in Hochstimmung. Der Abschied von der Bühne fiel dem eloquenten Doldinger und seiner Mannschaft sichtlich schwer, und der musikalische Epilog zog sich von Minute zu Minute durch die Verlängerung. Ein knackiges Elfmeterschießen hätte es auch getan. Großer Applaus für eine Ikone der deutschen Musikkultur.

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