Fürchtet euch nicht: Den Mittlern zwischen Himmel und Erde ist in Freising eine Schau gewidmet

Engel verkündigen große Freude

Ein himmlisches Licht: Arrent de Gelders Gemälde „Abraham bewirtet die Engel“. Fotos: Diözesanmuseum Freising

Freising. Mit der Posaune an den Lippen bereitet uns ein vom Scheitel bis zur Sohle goldener Engel einen triumphalen Empfang im Diözesanmuseum von Freising. Er kündigt eine einzigartige Schau von über 550 Bildern und Skulpturen aus den letzten 4000 Jahren an, die himmlische Wesen darstellen.

Die frühesten Vertreter stellen sich in Form von Statuetten und anderen Zeugnissen der Kleinkunst als die heidnischen Ahnen der christlichen Engel vor. Die gefährlichen Mischwesen aus Mesopotamien und Ägypten sowie die der griechisch-römischen Welt entstammende Siegesgöttin Victoria und die wie kleine Kinder aussehenden Eroten haben eines gemeinsam: Sie tragen Flügel.

Auf die mussten die frühchristlichen Boten Gottes noch verzichten. Erst seit 1600 Jahren werden sie geflügelt dargestellt. Eines der ältesten Beispiele: ein bronzener Fingerring (um 500), den ein mit Kreuzstab ausgestatteter Engel ziert.

Den ersten Auftrag am Anfang der Zeiten hat Johann Carl Loth auf seinem Gemälde „Schutzengel und Erzengel Michael“ (1691) gemütvoll wie bombastisch dargestellt. Unter den beifälligen Blicken der Heiligen Dreifaltigkeit lässt der das Flammenschwert schwingende Michael den abtrünnigen Engel Luzifer und dessen Anhänger in die Hölle fahren. Derweil hat ein Schutzengel einen betenden Knaben unter seine Fittiche genommen. Dessen Urtyp ist der Erzengel Rafael, den Gott als Reisegefährten von Tobias aussandte. Das wundervolle altniederländische Gemälde „Tobias und der Engel“ (um 1460) zeigt sie Hand in Hand. Der dritte im Bunde der namentlich bekannten Erzengel ist Gabriel. Ein goldenes Medaillon (6. Jh.) zeigt ihn bei der Erfüllung seiner vornehmsten Aufgabe: der Verkündigung an Maria.

Deren Folgen illustriert die Schau mit prachtvollen Kunstwerken. Das von einem anonymen altdeutschen Meister geschaffene Gemälde „Anbetung des Jesuskindes“ (um 1460) zeigt im Hintergrund zwei Hirten, die sich vom göttlich golden leuchtenden Himmel abheben. Das lässt an die Bibelworte denken: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“

Beim Rundgang wird einem die erstaunliche Vielgestaltigkeit der Engelsdarstellungen bewusst. Dabei haben die Kirchenväter betont, dass die Boten Gottes reine Geistwesen, reines Licht, ohne Materie und Geschlecht seien. 1000 Jahre lang haben die Künstler sie als Jünglinge wiedergegeben. Seit dem 13. Jahrhundert jedoch treten die Engel auch in androgyner, weiblicher und kindlicher Gestalt auf.

Dass zuweilen Gottvater als Engel erschienen ist, zeigt uns eines der eindrucksvollsten Gemälde der Schau: „Abraham bewirtet die Engel“ (1680-1685). Gemalt hat es der Rembrandt-Schüler Arent de Gelder. Demütig verneigt sich Abraham vor seinen am Tisch sitzenden Gästen: Zwei geflügelten Jünglingen, welche die würdevolle Erscheinung eines alten Herrn flankieren, der in seinen weißen Gewändern wie aus sich selbst heraus zu leuchten scheint.

Bis 1. Mai, Diözesanmuseum Freising, Domberg 21. Tel. 08161-48790, www.dommuseum-freising.de. Katalog (Deutscher Kunstverlag): 39 Euro

Von Veit-Mario Thiede

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