Quartett „Bukowski Waits for you“ mit unkonventionellem Weihnachtsprogramm

Wo Engel Whisky trinken

Verrucht: Regina Venus als Weihnachtsengel im Programm „Bukowski Waits for you“. Foto: Schoelzchen

Kassel. Pianist, Sänger und Bassist haben ulkige Weihnachtsmützen auf. Das Engelchen, ganz in Rot und mit Flügeln, tut sich an einer Whiskyflasche gütlich, nachdem es zu Beginn Loriots Klassiker „Advent“ rezitiert hatte. Plötzlich ertönt die Stimme des Sängers, und man ist sofort davon überzeugt, vor sich eine deutsche Version von Tom Waits zu haben, des Mannes mit der unverwechselbaren, rauchig-röhrenden Stimme.

Das aus Berlin stammende Quartett „Bukowski Waits for you“ sorgt alle Jahre wieder als Publikumsmagnet im Theaterstübchen für eine ganz besondere Einstimmung auf das Fest der Liebe. Im Vordergrund stand am Dienstagabend Gesungenes von Tom Waits und Geschriebenes von Charles Bukowski oder auch von den Autoren Jacques Berndorf und Horst Evers, die eigens für das Quartett einige Texte lieferten.

Michael Kiessling fasziniert mit seiner Stimme à la Tom Waits, wenn er Weihnachtslieder mit einem herb-dunklen, rauchigen Timbre interpretiert, gleichzeitig jedoch den Spagat schafft und eine Zartheit und Melancholie einfließen lässt, die sehr anrührend sind. Hervorragend und einfühlsam begleitet wird er am Piano von Matthias Behrsing und Jens Saleh am Kontrabass.

Es ist unheimlich komisch, wenn sich Kiessling gerade um die Gunst des Publikums bemüht, das verruchte „Englein“ (Regina Venus) aber nur schnoddrig bemerkt: „Wär’ Maria hart geblieben, wär’ uns das erspart geblieben.“ Mit Hingabe und großer Rezitationskunst führt die Schauspielerin Venus vor, wie man den Truthahn zubereitet und dabei eine Flasche Whisky leert, wie eine Wohnsiedlung durch Adventsbeleuchtung das hiesige Stromkraftwerk überlastet oder welche Vor- und Nachteile ein Ganzkörper-Adventskalender hat.

Den vier Künstlern gelingt die wunderbare Gratwanderung, das Publikum zum Lachen herauszufordern, bis die Tränen kommen, um es gleich darauf zum Nachdenken oder Innehalten anzuregen. Gebannt und beglückt waren die Zuschauer, und mehrere Zugaben wurden gefordert. Ein wunderbarer Vorweihnachtsabend!

Von Alexander Pluquett

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