„Ensemble Contrast“ bringt Bonnie und Clyde auf die Bühne

Arthur Böhm als Clyde Barrow und Jule Taher als Bonnie Parker. Foto: Malmus

Kassel. Der junge Mann ist zornig: „Mein Vater hat sich ein Leben lang mit Arbeit den Arsch aufgerissen. Hat es ihm was gebracht? Ist das gerecht? Wenn es nach meiner Gerechtigkeit geht, dann nehme ich mir, was ich brauche.“ Die Pistolen, die er trägt, lassen ahnen, dass er dabei nicht zimperlich ist. Dennoch hat das Raubein eine weiche Seite: „Diese Frau, ich muss die ganze Zeit an sie denken.“

Zumindest in dieser Hinsicht hat Clyde Barrow Glück. Bonnie Parker erwidert seine Gefühle. Das Leben des legendären Gangsterpärchens „Bonnie und Clyde“ aus dem Amerika der 30er-Jahre aber wird alles andere als himmelblau verlaufen, sondern in einem Kugelhagel enden.

Das Kasseler Theaterensemble „Contrast“ hat sich mit der Geschichte der beiden beschäftigt. Herausgekommen ist das Stück „Die Barrowgang und Ich“ (Regie: Dirk Radunz), das derzeit im Dock 4 gespielt wird. Darin geht es nicht um den zweifelhaften Glamour des Gangsterpaares. Die jungen Darsteller zwischen 19 und 25 Jahren blicken hinter die Kulissen und loten die menschlichen Schicksale aus. Wie wurde aus Clyde Barrow, Kind eines armen Landarbeiters, einer der meistgesuchten Verbrecher Amerikas?

Wegen des Besitzes gestohlener Truthähne wurden er und sein Bruder Buck zum ersten Mal verhaftet. Nachdem Clyde im Gefängnis von einem Mitinsassen vergewaltigt wurde, wurde aus dem Kleinkriminellen ein brutaler Gangster und Mörder. Das Stück zeichnet diesen Weg nach, geht aber auch auf die künstlerisch veranlagte Bonnie ein: „Schauspielerin oder etwas Großes wollte ich werden.“

Immer wieder Szenen mit ihrer Mutter, die sich vergeblich bemüht, ihre Tochter von Clyde zu lösen. Auch die innere Struktur der Bande wird beleuchtet und die ausweglose Situation der gesellschaftlich Gestrandeten. Fazit: Ein lohnender Blick hinter die Kulissen. Intensiv und bedrückend realistisch gespielt. Viel Applaus. • Es spielten: Antonia Becker, Arthur Böhm, Jule Taher, Hakim Zabirov, Laura Goldmann, Rebecca Rode, Robin Middeke, Michael Altrock, Alice Moallemy. • Wieder am 19., 20., 21.11., jeweils 20 Uhr, Dock 4.

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