Das junge Berliner Vision String Quartet begeisterte bei der EAM mit der hohen Kunst des Zusammenspiels

Ensembleglück, auswendig

Höchste Qualität: Jakob Encke (Violine, von links), Daniel Stoll (Violine), Leonard Disselhorst (Violoncello) und Sander Stuart (Viola) beim Auftritt bei der EAM. Foto: Hedler

KASSEL „Diesen jungen Künstlern kann man eine große Karriere vorhersagen …“. Das ist schnell gesagt. Beim Konzert des Vision String Quartet am Donnerstag im Foyer der EAM drängte sich der (zu) oft gesagte Satz auf, denn die Darbietung auf Einladung des Vereins „Freunde Junger Musiker“ hatte außergewöhnliches Format.

Jakob Encke (Violine), Daniel Stoll (Violine), Sander Stuart (Viola) und der aus Kassel stammende Leonard Disselhorst (Cello), die alle noch in Berlin studieren, leiden nicht unter geringem Selbstbewusstsein: Ein sehr anspruchsvolles Programm hatten sie im Gepäck beziehungsweise im Kopf, denn sie spielten alles auswendig. Alle drei diffizilen Stücke interpretierte das Streichquartett, als sei es eine Übungsstunde. Fünf der Fugen aus Johann Sebastian Bachs Zyklus „Die Kunst der Fuge“ gab es zu Beginn, darunter eine überraschenderweise pizzicato, also gezupft gespielte Tripelfuge - Zusammenspiel perfekt, Balance nicht minder.

Dimitri Schostakowitschs Streichquartett op. 110 ist ein zergrübeltes, verdichtetes, komplexes Werk, das die Lebenssumme zieht und zudem Politisches verarbeitet. Eigentlich kaum glaubhaft, wie man dies ohne Noten spielen kann. Und die vier spielten es nicht allein „richtig“, sondern kontrastreich (welch ein Kosmos zwischen dem sphärischen ersten und dem hypererregten zweiten Satz!), atmend und beseelt.

Ähnliches Ensembleglück dann bei Claude Debussys Quartett. Auch hier spürbare Durchdringung des Werks, große technische Sicherheit und brillantes Zusammenspiel. Schön zum Beispiel der Bogen im „Andantino“, als sich zwischen den leisen Polen am Anfang und Ende eine emotionale Aufwallung aufbaut. Als Zugabe gab es einen gezupften Samba aus eigener Herstellung. Das etwa 130-köpfige Publikum lag dem Vision String Quartet bei seinem Kassel-Debüt zu Füßen.

Von Johannes Mundry

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