Zum Tod des niederländischen Schriftstellers Harry Mulisch

Entdecker des Himmels

Harry Mulisch Foto: Zucchi/dpa

Amsterdam. Seine Orden bewahre er in Schuhkartons auf, gestand Harry Mulisch. Nur derjenige der Schwedischen Akademie war nicht dabei. Lesern und Kritikern galt der Autor jahrelang als Anwärter für den Literaturnobelpreis. Sollte er den bekommen, witzelte Mulisch, wäre das in Holland ein Feiertag.

Nun herrscht Trauer, denn Mulisch, einer der bedeutendsten und beliebtesten Schriftsteller Europas, erlag am Samstagabend in Amsterdam 83-jährig seinem Krebsleiden. Er hinterlässt zwei Töchter aus einer früheren Ehe, seine Lebensgefährtin und einen Sohn aus dieser Verbindung.

Mulisch schrieb mit Witz und überraschte gern mit unerwarteten Wendungen, was seine anspruchsvollen Werke „verdaulicher“ machte. Sein Schaffen umfasst mehr als 60 Romane, Essays, Reportagen, Dramen, Opernlibretti und Gedichtbände.

Sein bedeutendstes Werk ist „Die Entdeckung des Himmels“. Die fantasievolle Gesellschaftschronik wurde 1992 ein Bestseller. Vor drei Jahren wählten Leser das Buch bei einer repräsentativen Umfrage zum besten niederländischen Roman aller Zeiten. Es geht darin um nichts Geringeres als Gott und die Menschen.

Weil die sich kaum noch um die Zehn Gebote scheren, schickt der verärgerte Chef des Großkonzerns Himmel seine Engel aus, die auf der Erde Verwirrung stiften. Immer wieder schimmern in dem Jahrhundertroman autobiografische Züge durch - etwa die Verstrickung von Niederländern in die Judenverfolgung.

Das Gute und das Böse, Schuld und Sühne - in diesem Spannungsfeld, angereichert von Okkultismus, hat Mulisch mit einem präzisen Sprachstil seine Werke geschaffen. (dpa)

Von Thomas Burmeister

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