Jaap ter Linden und die Capella de la Torre

Mit entspannter Meisterschaft

Jaap ter Linden

Bad Arolsen. „Hallo, hier komme ich!“, so wirkt es manchmal, wenn ein Cellist den Beginn von Johann Sebastian Bachs Cellosuiten spielt. Auftrumpfend schnell, mit motorischer Strenge und virtuoser Wirkung wird dann das Prélude aus der G-Dur-Suite exekutiert.

Eine Alternative gab es bei den Arolser Barock-Festspielen. Dort gastierte Jaap ter Linden, der 64-jährige Niederländer, der zu den Pionieren der historischen Aufführungspraxis zählt.

Er nahm das Prélude recht langsam und ersetzte die geradlinige Motorik durch eine beseelte, zärtliche Wellenbewegung. Das war eine persönlich geprägte Interpretation - später erzählte er den 170 Zuhörern in der Schlosskapelle eine sehr private Geschichte dazu. Doch zugleich wirkte dieses Bach-Spiel vollkommen natürlich und bar jeder Exzentrik.

Weise, entspannt, meisterhaft, dabei vielfältige Charaktere zeichnend, so empfand man seine Darbietungen der Suiten Nr. 1, 3 und 6. Nach viel Beifall gab es zuletzt die Sarabande aus der 4. Suite. Dokumentiert ist die Sicht von Jaap ter Linden auf Bachs sechs Cellosuiten übrigens auf CDs des Labels Brilliant Classics, das Klassikfreude für seine günstigen Angebote schätzen. Salopp gesagt: ein wahres Schnäppchen.

Seltene Instrumente

Die Ergänzung zum Streicherklang brachte dann das Konzert in der evangelischen Stadtkirche. Die Capella de la Torre präsentierte den 260 kräftig applaudierenden Gästen Instrumente, die man nicht alle Tage hört. Die historischen Blasinstrumente Schalmei, Pommer, Dulzian und Zink hatten ihren Auftritt, hinzu kamen Posaunen, Blockföten, eine Truhenorgel sowie ein Vokalquartett, bei dem der Altus Alexander Schneider stimmlich herausstach.

Das von Katharina Bäuml geleitete Ensemble erinnerte mit dem Konzerttitel „Echte und unechte Italiener: Von Arkadiens Gärten inspiriert“ an die Stilrevolution um 1600, als vom Süden aus ein frischer Wind in die musikalische Welt geweht war. Mit Kompetenz mischte das Ensemble Weltliches und Geistliches sowie „unechte“ Italiener wie Heinrich Schütz mit Claudio Monteverdi und Stefano Landi, von dem die staunenswerte „Passacaglia della Vita“ erklang. „Du musst sterben“, heißt es da im Text. So fatalistisch war man um 1600 dem Tod entgegen getanzt.

Von Georg Pepl

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