Bernd Gieseking las aus seinem Finnland-Buch

Bernd Gieseking Foto: nh

Kassel. Um einen Scherz über Finnland zu machen, braucht es nicht viel. „Sohvakalustotarjouksia“ steht auf dem Schild, das Bernd Gieseking fotografiert hat, Couchgarniturangebote. Ein sicherer Lacher.

Es ist ein Spaß, mit dem Kabarettisten die Feinheiten des finnischen Suffixes zu lernen, ihn in den Supermarkt („ein bebildertes Vokabelheft“) zu begleiten, um dort banaani (Bananen), salaati (Salat), maissi (Mais) und kirsikkatomaatti (Kirschtomaten) zu kaufen, aber eben auch vihreäviinirypäle (Weintrauben) und varhaisperuna (Frühkartoffeln).

Gieseking, der eine Art Road Movie in Buchform über seine Finnland-Reise geschrieben hat, belässt es aber nicht dabei. In seiner vergnüglichen Lesung am Donnerstagabend in der vollen Ekstase-Bar berichtete er über unbekannte Seiten des Landes im hohen Norden. „Der Finne isst manisch Erbsen“, er ist senfsüchtig, bleibt immer, immer bei Rot an der Ampel stehen (und wenn er betrunken ist, auch bei Grün), er liebt Karaoke und tanzt permanent Tango: „Vampire saugen Blut. Finninnen tanzen.“

Was der gemeine Deutsche über die Nordeuropäer weiß („die Sauna ist dem Finnen alles“, „wenn der Finne trinkt, will er Wirkung“), schildert Gieseking voll komischer Selbstironie - etwa mit dem Hinweis, dass Bauchumfang und Bizeps bei ihm in etwas ungünstigem Verhältnis zueinander stehen, um sich in der Sauna freizumachen. Bei seiner Lesung spielte er die ganze Professionalität und Erfahrung seiner zahlreichen Bühnenauftritte aus. Die Episoden ergänzte er durch lustige Fotos (leider im Buch nicht enthalten).

Originell ist sein Bericht, weil alle Erlebnisse auch mit den Augen seiner mitreisenden alten Eltern gesehen werden, die Giesekings ausgewanderten Bruder Axel besuchen. Aus Katenhusen bei Minden kommend, fühlen sie sich unter den wortkargen Nordländern so wohl, dass Gieseking die Finnen zu den „Ostwestfalen Europas“ erklärt. „Unser Mudder“, so schnoddert er, besticht durch trockene Kommentare. Wie auf die Frage, ob sie sich nicht das Bild ihres Mannes stechen lassen wolle, weil die Freundin von Axel - finnisch natürlich Axeli - tätowiert sei: „Den hab ich schon am Hals, was soll ich ihn noch auf dem Arm haben.“

Bernd Gieseking: Finne dich selbst! Fischer, 304 S., 9,99 Euro.

Von Mark-Christian von Busse

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