Die Erde still geküsst

Starsopranistin Ruth Ziesak glänzte bei den Wilhelmshöher Schlosskonzerten

Sanft schwebende Musik: Pianist Burkhard Kehring und Sopranistin Ruth Ziesak beim Auftritt im Ballhaus. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Vollendeter geht es nicht mehr: Einen traumhaften Auftakt mit der Starsopranistin Ruth Ziesak und dem gleichfalls hochkarätigen Pianisten Burkhard Kehring hatten die 13. Wilhelmshöher Schlosskonzerte. In den Genuss edelster Liedkunst kamen 300 Zuhörer am Wochenende bei den beiden Konzerten im Ballhaus.

In diesem Sommer beleuchtet die von hr2-kultur veranstaltete Reihe das Lebensgefühl der Romantik. Was wäre dazu besser geeignet als das romantische Lied? Zum Beispiel die Eichendorff-Vertonung „Mondnacht“ von Robert Schumann: „Es war, als hätt’ der Himmel die Erde still geküsst.“

Derart verzaubert mochte sich auch das Publikum fühlen angesichts des puren, dabei facettenreichen Soprans von Ruth Ziesak, der hochsouveränen Gestalterin des Wortausdrucks und der Stimmfärbungen. Das sanft Schwebende wie das jäh Akzentuierte im Klavierpart lagen bei Burkhard Kehring in den besten Händen.

In Schumanns Liederzyklen bekam man von Verliebtheit, Mutterfreuden und der Trauer einer Witwe („Frauenliebe und -leben“) ebenso anschaulich erzählt wie von einem Waldesgespräch, vom Zwielicht oder eben dem Zauber einer Mondnacht (Liederkreis op. 39).

Daneben stand eine Auswahl von Liszt-Liedern, die einen mehr extravertierten Ton anschlugen und bei den „Drei Zigeunern“ frisch folkloristisch daherkamen. Einen Schuss Gift (mit Heinrich Heine) gab’s außerdem: „Vergiftet sind meine Lieder - wie könnt es anders sein? Ich trag’ im Herzen viel Schlangen und dich, Geliebte mein.“ Das war wohl die weniger rosige Seite des romantischen Lebensgefühls. Man darf auf die weiteren Schlosskonzerte gespannt sein.

Am 11. August, 20 Uhr, und am 12. August, 17 Uhr, gastieren die Singphoniker im Ballhaus. www.hr2-kultur.de

Von Georg Pepl

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