„Menschenfeind“ an der Berliner Schaubühne

Erdnuss im Hintern

Der Menschenfeind: Lars Eidinger als Alceste. Foto:  Drama

Berlin. Die Berliner Schaubühne startet mit einem Mordsklamauk in die neue Saison, und den Spaß ließen sich selbst Zuschauer gefallen, die sonst beim Einsatz von Buttercreme in der klassischen Bühnenliteratur nur die Nase rümpfen würden. Der Belgier Ivo van Hove hat Molières „Menschenfeind“ herausgebracht. Am wichtigsten: Zwei Kameramänner sind unentwegt auf den Beinen. Man schaut manchmal weniger auf die gespielte Szene als auf ihre Übertragung, die zuweilen auch aus der Künstlergarderobe kommt. Und die Interaktionen zwischen diesem Live-Kintopp und der realen Szene sind eher gewollt und künstlich.

Auf der Bühne erschöpft sich der Transfer in die Gegenwart darin, dass jeder über ein Handy verfügt, möglichst mit integrierter Kamera, und dass die Dame Célimène sich nicht mehr brieflich, sondern in Videobotschaften blamiert.

Der Misanthrop ist mit Lars Eidinger besetzt, und damit ist alles gesagt. Eidinger hält sich nicht bei Feinheiten auf. Er spielt einen gammeligen Typen, der vor Eifersucht und Frust an einer verlogenen Gesellschaft durchdreht.

Schon nach 45 Minuten schüttet er sich Schokosoße über Haupt und Haare und schiebt sich Erdnussflips in den Allerwertesten. Das ist Molière aus der analen Konsum-Perspektive. Die Kamera zoomt alles haarscharf heran.

Als hemmungsloser Jokus kann die Sache durchgehen. Einen aktuellen Bezug lässt die Regie aber nicht erkennen.

Wieder am 24.9, 21. bis 23.10. Karten: 030-890023, www.schaubuehne.de

Von Peter Hans Göpfert

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