Neu im Kino: „Der ganz große Traum“ mit Daniel Brühl ist trotz des Hangs zum Kitsch nett anzusehen

Ein Erfolg ohne Elfmeterschießen

Der ganz große Traum: Vielleicht gibt es ihn eher, wenn man mit einem Ball in den Händen einschläft – wie Daniel Brühl, der im gleichnamigen Film den Lehrer Konrad Koch spielt. Foto: Senator

Der Fußballfan an sich ist schon so gedrillt, dass er automatisch an Felix Magath denkt, wenn er Medizinbälle sieht. Der Trainer des Bundesligisten Schalke 04 taucht aber nicht auf im Film „Der ganz große Traum“, auch wenn der Titel passen würde zu seinen Vorstellungen und er womöglich seine Freude gehabt hätte am Schulunterricht dieser Untertertia am Martino-Katharineum in Braunschweig.

Aber dieser ganz große Traum handelt nicht vom modernen Fußball, nicht vom Gewinn der Meisterschaft, nicht vom Triumph in der Champions League, sondern von dem Wunsch des Englischlehrers Konrad Koch, die Sportart von der Insel trotz aller Widerstände in Deutschland hoffähig zu machen. Er will sie etablieren, 1874 – zu Zeiten des Kaisers, in denen die Kollegen in erster Linie auf den Rohrstock zurückgreifen, um die Schüler zu bändigen, und nicht auf einen Ball, um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten.

Abseits ist Nebensache

Regisseur Sebastian Grobler erzählt die Geschichte des jungen Pädagogen sehr frei, aber mit viel Witz und Hingabe zum Fußball. Das wird an einer Szene sehr deutlich. Es geht um das Thema Abseits. Koch erklärt es ausführlich, als ihm plötzlich eine Frau zur Seite springt und meint, das könne man doch alles viel einfacher sagen. Dann referiert sie die aktuelle Regel, von der Männer im Jahr 2011 immer noch gern behaupten, Frauen würden sie nicht verstehen. Ob es damals anders war? Zumindest gab es das Abseits in der heutigen Form nicht, aber solche Ungenauigkeiten sind reine Nebensache.

Bei dem Charme, den in erster Linie Hauptdarsteller Daniel Brühl als Konrad Koch versprüht, fällt es nicht schwer, dem Film auch den generellen Hang zum Kitschigen zu verzeihen. Der ist durchaus vorhanden, wenn es zum Beispiel darum geht, eine der Funktionen des Fußballs deutlich zu machen: die Überwindung von Arm und Reich. Adrian Moore spielt das Arbeiterkind Joost Bornstedt zwar ebenso überzeugend wie Theo Trebs den mächtigen Jungen aus bestem Hause. Insgesamt haftet an ihren Rollen jedoch zu sehr das Klischee.

Trotzdem: „Der ganz große Traum“ ist nett anzusehen, weil auch Thomas Thieme als strenger Lehrer Dr. Roman Bosch und Axel Prahl als Unternehmer Schricker die Nebenrollen hervorragend besetzen. Weil die Liebe zum Fußball nicht nur dann durchschimmert, wenn Konrad Koch mit dem Ball in den Händen einschläft. Und weil die Engländer im Fußball einmal mehr von einer deutschen Mannschaft besiegt werden. Mit 2:1. In der regulären Spielzeit. Elfmeterschießen gab es damals ebenso wenig wie den Trainer Felix Magath.

Genre: Drama

Ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Florian Hagemann

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